<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" >

<channel><title><![CDATA[anthroposophy - Anthroposophie]]></title><link><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie]]></link><description><![CDATA[Anthroposophie]]></description><pubDate>Mon, 22 Dec 2025 19:15:50 +0100</pubDate><generator>Weebly</generator><item><title><![CDATA[Die ich-aktivierung]]></title><link><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/die-ich-aktivierung]]></link><comments><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/die-ich-aktivierung#comments]]></comments><pubDate>Mon, 22 Dec 2025 15:37:21 GMT</pubDate><category><![CDATA[Uncategorized]]></category><guid isPermaLink="false">https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/die-ich-aktivierung</guid><description><![CDATA[Das Problem der Menschwerdung dreht sich um die Ich-Aktivierung. Es soll dem Astralleib eine Autorit&auml;t &uuml;bergeordnet werden. Diese Autorit&auml;t ist die Identit&auml;t mit der Welt, in der wir Menschen leben, sowohl vor dem Tod als auch nach dem Tod. Die Autorit&auml;t des Ich pr&auml;sentiert sich, genauso wie die Welt, zun&auml;chst kollektiv. Der Mensch soll das Ich individualisieren, denn nur auf diese Weise kann er sich befreien. Befreien aus dem Zustand der Gesch&ouml;pflichkeit. [...] ]]></description><content:encoded><![CDATA[<div class="paragraph">Das Problem der Menschwerdung dreht sich um die Ich-Aktivierung. Es soll dem Astralleib eine Autorit&auml;t &uuml;bergeordnet werden. Diese Autorit&auml;t ist die Identit&auml;t mit der Welt, in der wir Menschen leben, sowohl vor dem Tod als auch nach dem Tod. Die Autorit&auml;t des Ich pr&auml;sentiert sich, genauso wie die Welt, zun&auml;chst kollektiv. Der Mensch soll das Ich individualisieren, denn nur auf diese Weise kann er sich befreien. Befreien aus dem Zustand der Gesch&ouml;pflichkeit. Dass die Gesch&ouml;pflichkeit, als Seinszustand, zu einem Problem werden konnte, ist nicht von ihr selbst als Idee verursacht. Dem Tier stellt sich das Problem der Freiheit vom Astralleib nicht, sein Wesen ist identisch mit dem Astralleib. Das Ich des Tieres muss sich nicht individualisieren, weil es nicht an einen einzelnen Leib gebunden ist. Die Individualisierung des Menschen ist nur deshalb notwendig geworden, weil Luzifer dazu beigetragen hat, die Seele des Menschen an das leibliche Leben zu binden. Die dadurch verursachte Absonderung der menschlichen Seele von der Gesamtwelt hat im Astralleib ein Spiegelbild des Ich hervorgebracht, welches von seinem Grundwesen her zwar dem Ich entspricht, in seinen Eigenschaften aber diesem Grundwesen widerspricht. Dem Ego, als gespiegeltes Ich, fehlt die Identit&auml;t mit der Welt, weshalb ihm die Welt als eine von ihm selbst unabh&auml;ngige Umwelt erscheint. W&auml;hrend dieser Aspekt des Zustandes der Gesch&ouml;pflichkeit von jedem Menschen leicht beobachtet werden kann, wird die Grundwesenheit des Egos nur sehr schwer erkannt. Erlebt wird diese Grundwesenheit meist nur in ihren negativen Auswirkungen, welche darin bestehen, dass eine Einzelperson, die mit einem solchen Ego ausgestattet ist, ihren Anspruch auf Identit&auml;t mit Welt gelten machen will. Da bei einer Einzelperson eine solche Identit&auml;t jedoch nicht gegeben ist, weil sich ihr Ich-Bewusstsein auf ihre Identit&auml;t mit einem einzelnen menschlichen Leib st&uuml;tzt, k&ouml;nnte die eingeforderte Identit&auml;t mit der Welt nur dadurch erlangt werden, dass sich die Welt den Eigenschaften dieser Einzelperson anpasste. Der Egoismus ist der Ausdruck f&uuml;r diesen Versuch des Ego, dem die Welt allerdings nicht entgegenkommen kann, weil das urspr&uuml;ngliche All-Ich andernfalls seine Gesamtwesenheit aufgeben m&uuml;sste. W&uuml;rde die Welt dem Wunsch des Egoisten nachgeben, m&uuml;sste sie verschwinden. Es w&uuml;rde nur diese einzige Person &uuml;brigbleiben, deren Welt jedoch so mangelhaft w&auml;re, dass sie den Leib, auf den sich deren Ich-Bewusstsein st&uuml;tzt, niemals erhalten k&ouml;nnte. Sowohl die Umwelt als auch das Ich m&uuml;ssen sich darum dem Einzelmenschen wie etwas manifestieren, das ihm um- und &uuml;bergeordnet ist. Obwohl das Ich das Grundwesen des einzelnen Egos ist, erscheint es dem Einzelmenschen zun&auml;chst wie eine fremde Autorit&auml;t. Die fundamentale Kulturarbeit, um den Mensch &uuml;ber den Zustand der Tierheit hinaus zu bringen, hat darum in der Vergangenheit darin bestanden, ihn zu lehren, jene Autorit&auml;t des Welten-Ichs anzuerkennen, indem man ihn auf seine eigene Nicht-Identit&auml;t mit der Welt hinwies. Es war einst eine fundamentale Aufgabe der Menschheitserziehung, die Menschen soweit zu bringen, den Sch&ouml;pfer der Welt nicht mit ihrem eigenen Ich zu identifizieren. Da jener Sch&ouml;pfer jedoch nirgendwo in der sinnlich erfahrbaren Welt zu finden war, haben ichstarke Menschen die Rolle &uuml;bernommen, den Sch&ouml;pfer leiblich in der Welt zu vertreten. Da nun aber eine solche Rolle unabweichlich mit gro&szlig;er Macht verbunden ist, hat es immer Menschen gegeben, welche die Rolle des Vertreters Gottes auf Erden nur darum einnehmen wollten, um dadurch ihrem eigenen Egoismus zu nutzen. Die Rolle des Priesters oder des Gottk&ouml;nigs wurde darum ganz besonders beliebt bei den am wenigsten ichstarken Menschen, w&auml;hrend die normal entwickelten Egoisten eher lernten, sich damit abzufinden, nicht selbst im Zentrum der Welt zu stehen. Die normalen Egoisten beschr&auml;nkten ihren Egoismus auf ihr mehr oder weniger nahes Umfeld, und rechtfertigten diesen Missbrauch ihrer Umwelt gerne mit ihrer eigenen Unterordnung unter Gott, den Gesamtsch&ouml;pfer, oder, dementsprechend, unter die herrschende Priesterkaste oder/und das herrschende, gewaltbasierte, Regierungssystem. Der Anspruch auf die Vertretungsgewalt des Sch&ouml;pfer-Ichs auf Erden ordnete sich hierarchisch, das Ideal einer h&ouml;heren geistigen Welt nachahmend, wodurch einer maximalen Anzahl von Egoismen erlaubt werden konnte, ihren Anspruch auf Identit&auml;t mit der Welt in kleinen und gr&ouml;&szlig;eren Bereichen geltend zu machen, ohne deshalb in einem andauernden Kriegszustand leben zu m&uuml;ssen. Die gesamte soziale Ordnung baute sich somit auf Autorit&auml;tsgl&auml;ubigkeit auf, welche es jedem, der sich der jeweils h&ouml;heren Autorit&auml;t unterordnete, erm&ouml;glichte, seinen eigenen Egoismus im pers&ouml;nlichen Umfeld zu verwirklichen. Dieses Machtsystem war Jahrtausende lang die einzig allgemein als gut anerkannte soziale Struktur, und wurde darum das richtige, gerechte und rechtschaffende Leben genannt. W&auml;hrenddessen wirkte seit jeher, &uuml;berbewusst, die eigentliche Autorit&auml;t des Ich in jedem einzelnen Menschen, als individuelle M&ouml;glichkeit, welche von jeglicher Autorit&auml;t unabh&auml;ngig ist. Diese Autorit&auml;t des Welten-Ichs musste einmal in der Welt als Person erscheinen, um die Menschen, welche es, in der Au&szlig;enwelt lebend, immer mehr vergessen hatten, daran zu erinnern, dass die h&ouml;chste Autorit&auml;t des Lebens potenziell in jedem einzelnen Individuum steckt. Das Welten-Ich, der Christus, musste die Erdenmenschen, selbst als Person erscheinend, an ihre Aufgabe der Menschwerdung erinnern, bei der sie das astralisch Tierhafte &uuml;berwinden m&uuml;ssen. Dieser Christus-Impuls bringt den Mensch zun&auml;chst in einen Kontrast zu jedem bestehenden autorit&auml;ren Machtsystem, sei es nun berechtigt, durch seinen Bezug zu h&ouml;heren Welten, oder auch nicht. Sowohl die b&ouml;sen als auch die guten Autorit&auml;ten dieser Welt m&uuml;ssen mit dem Christus-Impuls als einer Kraft rechnen, welche jegliche Form des Kollektivismus sprengen will. Der Christus manifestiert sich im Ego als eine Kraft, welche die Grundwesenheit des Menschen soweit ausdehnen m&ouml;chte, bis das Einzel-Ich mit der Welt identisch ist. Diesem Versuch der Befreiung aus dem Zustand der Absonderung des einzelnen Ich-Bewusstseins stellt sich jedoch alles entgegen, was dieses Ich-Bewusstsein erst m&ouml;glich gemacht hat. Die Schwierigkeit, welche die Seele ab diesem Entwicklungspunkt zu meistern hat, besteht darin, die Identit&auml;t des Ich mit der Welt neu zu erobern, ohne dabei das Ich-Bewusstsein wieder zu verlieren, welches anf&auml;nglich auf der Nicht-Identit&auml;t mit der Welt basieren musste. Von der Sichtweise des Astralleibes aus wird die Ich-Aktivierung wie ein Unterwerfungsakt unter eine h&ouml;here Autorit&auml;t erlebt, die sich substanziell nicht von den anderen weltlichen Autorit&auml;ten unterscheidet. Selbst wenn sich der Egoismus bereits davon &uuml;berzeugt hat, dass sich in dem Ich das eigentliche Wesen des Menschen manifestiert, wehrt er sich trotzdem gegen sein h&ouml;chstes Gut. In seiner Not kann der Astralleib soweit gehen, den Christus sowohl als Weltenwort-Sch&ouml;pfer, als auch als innersten Wesenskern des Menschen-Ichs zu verleugnen. Es wird dadurch der Mensch somit nicht nur atheistisch, sondern letztendlich auch ich-los. Das eher neue Ph&auml;nomen der selbst auferlegten Ichlosigkeit bereitet dem Mensch mehr Probleme als der klassische Atheismus. Die Seele, die sich selbst nicht mehr erlaubt, sich wie ein Ich zu erleben, weil sie keinen essentiellen, qualitativen Unterschied zwischen Tier und Mensch mehr anerkennen will, ger&auml;t in st&auml;rkste Identit&auml;tsprobleme, weil sie sich pl&ouml;tzlich nicht einmal mehr mit ihrem eigenen Leib identifizieren kann, was zwar eine Illusion ist, aber eben doch bisher f&uuml;r ein gesundes Lebensgef&uuml;hl fundamental gewesen war. Da aber im Untergrund der Seele, trotz alles Verleugnens seiner Wesenhaftigkeit, doch das sch&ouml;pferische Ur-Ich wirkt, kann es jetzt soweit kommen, dass der Mensch sogar seinen naturgegebenen Leib den eigenen willk&uuml;rlichen Vorstellungen anpassen will. Der Zweifel an allem Vorgegebenen macht also nicht einmal vor dem eigenen Gattungsleib halt. Solchem zerst&ouml;rerischen Zweifel Einhalt zu gebieten, daf&uuml;r sorgte man in der traditionellen Erziehung damit, indem man alles M&ouml;gliche veranstaltete, um beim Menschen die Entwicklung eine starken Ichgef&uuml;hls zu verhindern. Der Mensch sollte stets seinen Lebenssinn in irgendeiner Form von Kollektivit&auml;t finden. Seit aber das einst &uuml;berbewusste Welten-Ich sich mit der Erde verbunden hat, und somit im Unterbewusstsein jedes Menschen lebt, ist eine Intensivierung des Ich-Gef&uuml;hls nicht mehr zu verhindern. Zum rechten Leben gesellt sich darum schon seit einiger Zeit schon ein sogenanntes linkes Leben hinzu, in dessen Bahnen aber zun&auml;chst nicht der Christus auflebt, sondern, mit ganz neuem Schwung, Luzifer. Solange der Christus-Impuls nicht aus dem Unterbewusstsein ins gew&ouml;hnliche Tagesbewusstsein empor dringen kann, nutzt Luzifer das neugeartete Innenleben des Menschen um seinen alten Plan, den Mensch gegen seine Sch&ouml;pfer zu wenden, ebenfalls ganz neu zu beleben. Damit aber der Christus-impuls nicht in seiner wahren Form erscheinen k&ouml;nne, muss Luzifer den neuartigen, links-progressiven Individualismus, der sich dem altherbrachten, rechts-konservativen Gesellschaftsleben entgegenstellt, ebenfalls in eine kollektivistische Form bringen. Dadurch erreicht Luzifer, dass der Christus nicht als die den Mensch befreiende Kraft im Inneren des Individuums aufsteigen k&ouml;nne. Die Entwicklung des Individualismus wird kollektiv geregelt, und somit um ihren innersten Wesenskern gebracht. Zur Autorit&auml;t der linken Gesellschaftsform wurde urspr&uuml;nglich das rationale Denken erhoben. Dieser Prozess begann bereits in der griechischen Antike, hat aber seine aktuelle Form erst im 13. Jahrhundert angenommen. Der Logos, als Urgrund alles rationalen Denkens, ist bei jedem neuen Schritt nach links pr&auml;sent, um erkannt werden zu k&ouml;nnen, wird aber von Luzifer stets mit neuen Taktiken verborgen. Allen luziferischen Taktiken gemeinsam ist die Verhinderung der M&ouml;glichkeit, dass der Mensch sich in seinem Wesenskern als Ich erkenne und somit seine ihm eigene, potenzielle, Identit&auml;t mit der Welt bemerke. Sowohl die rechte als auch die linke Vorstellungswelt erlaubt es somit nicht, dass der Mensch von der Ich-Vorstellung zur Realit&auml;t des Ich-Seins durchdringe. Stets wird der Ursprung des eigenen Lebens im Nicht-Ich vermutet. Die Ich-Aktivierung innerhalb der menschlichen Wesenheit wird von den Widersachern des Menschen verhindert, damit sie weiterhin von den &uuml;berbewussten und unterbewussten Bereichen auf ihn einwirken k&ouml;nnen.&nbsp;<br />Nicht ohne &Uuml;berraschung wird nun jener linke Egoist, der sich als Atheist der Welt gegen&uuml;berstellt hat, weil er die Machtrechtfertigung aller rechten, traditionellen Gesellschaftsstrukturen anzweifeln wollte, feststellen m&uuml;ssen, - sobald es ihm gelungen ist, die luziferischen Widersacherm&auml;chte soweit zur&uuml;ckzudr&auml;ngen, dass er wieder vern&uuml;nftig und vorurteilslos denken kann -, dass es jene hierarchische h&ouml;here Geisteswelt, auf welche sich alle weltlichen, hierarchisch geordneten Machtpyramiden gerne offiziell als ihr Ideal berufen, tats&auml;chlich gibt! Er muss verbl&uuml;fft erfahren, dass den L&uuml;gen der machts&uuml;chtigen Herrscher eine wahre Realit&auml;t unterliegt. Er erkennt, dass ihre gr&ouml;&szlig;te L&uuml;ge vor allem darin besteht, ihre Autorit&auml;t auf eine h&ouml;here Wirklichkeit zu beziehen, der sie selbst entgegenarbeiten. Doch existieren tut diese h&ouml;here Wirklichkeit tats&auml;chlich! Das Problem der Tradition und des Konservatismus ist nicht, dass man die Wahrheit tradiert und das Gute und Sch&ouml;ne konserviert, sondern dass das tradierte und konservierte Kulturgut sich vom Geist der Wahrheit sehr weit entfernt hat. Man tradiert L&uuml;gen zusammen mit Wahrheiten, und man konserviert am meisten von allem die Unm&ouml;glichkeit, den Geist der Wahrheit wieder neu zu beleben.<br />Wie konnte aber &uuml;berhaupt eine solche h&ouml;here Welt entstehen, die es nicht n&ouml;tig hatte, auf dem Weg zum Ich durch die leibliche Abgesondertheit zu gehen? Ein Beispiel wurde bereits genannt: das Ich einer tierischen Gruppenseele inkarniert sich nicht in einem einzelnen Tier. Ebenso gibt es Gruppenseelen von Pflanzen und Mineralen, denen es gen&uuml;gt, sich in noch gr&ouml;&szlig;eren Zusammenh&auml;ngen auf der Erde zu erleben. Ihr Ich steigt nicht bis in ein Einzelwesen hinunter. Es verbleibt in der geistigen Welt, hat aber trotzdem ein Ich-Bewusstsein. Ebenso gibt es noch h&ouml;here Wesen, die gar kein Ich ben&ouml;tigen, um ein Ich-Bewusstsein zu haben.<br />Es scheint also, dass das Welten-Ich sich nicht nur als unsere &auml;u&szlig;ere Welt, mit all ihren Wesen manifestiere, sondern ebenso in sich selbst, in seiner Innerlichkeit, wesenhaft gegliedert sei, dass also die Ichheit selbst sich in reale Geistwesen organisiert habe, die nicht, wie wir, einen Leib mit einer vollst&auml;ndigen Ich-Organisation ben&ouml;tigen, sondern denen als Leib vielleicht nur ein Tropfen Wasser gen&uuml;gt. Und es scheint, dass es noch h&ouml;here Wesen gibt, die nicht einmal die Identit&auml;t mit dem kleinsten Teil unserer Welt ben&ouml;tigen. All jene h&ouml;heren Wesen sind in einen kollektiv-individuellen Seinszustand, sie haben ein Ich-Bewusstsein, ohne aus dem Kollektiv heraustreten zu m&uuml;ssen. Ihr Kollektiv hat seinen Ursprung im Sch&ouml;pfer selbst, und nicht in seiner Sch&ouml;pfung, wie bei uns. Die h&ouml;chste Hierarchie lebt in direkter Kontemplation der sch&ouml;pferischen Trinit&auml;t, w&auml;hrend wir im Allerkleinsten beginnen m&uuml;ssen, den sch&ouml;pferischen Gedanken in seiner Identit&auml;t mit dem Gedachten zu erleben. Dort wo das Gedachte sich leblos manifestiert, wie bei einem vom Menschen geschaffenen, mineralischen Gegenstand, ist das einzig Lebendige der erfinderische Gedanke selbst, w&auml;hrend bei einer Pflanze das Leben auch im Sinnesobjekt selbst zu beobachten ist. Daher kann die Konzentration auf einen leblosen, vom Menschen geschaffenen Gegenstand, direkt in die geistige Welt hinein f&uuml;hren. Man kann in diesem Fall das Leben des Gedankens nicht mit dem Leben des Gegenstandes verwechseln, eben weil der Gegenstand kein Leben besitzt. Mit dem Erkennen des lebenden Gedanken hat sich die Seele aber bereits in die Welt der n&auml;chst h&ouml;heren Hierarchie hineinversetzt, in jene der Engel. Mit dem Erkennen des lebenden Gedankens beginnt die Ich-St&auml;rkung des Menschen. Der Mensch begibt sich auf den Weg der bewussten Vereinigung mit der Welt. Und aus dem Bewusstsein einer solchen Vereinigung heraus, will er in der Welt noch mehr wirken, als nur leblose Gegenst&auml;nde im Mineralreich zu produzieren. Da er als Einzelperson stets auch einem Kollektiv angeh&ouml;rt, ist es sehr naheliegend, dass er auf dieses Kollektiv formschaffend Einfluss nehmen will. Er wird zum Kulturtr&auml;ger. Dabei st&ouml;&szlig;t er aber sofort auf ein erstes Problem: auf welche Seite will er sich positionieren? Rechts oder Links? Will er als Rechter eher daf&uuml;r Sorge tragen, dass sich die geistige Welt, als gegliedertes Wesen des Weltensch&ouml;pfers besonders korrekt in den Erdenverh&auml;ltnissen spiegele, oder will er lieber, als Linker, den Widerspruchgeist des Einzelmenschen f&ouml;rdern, aus dem allein der innere, freie Sch&ouml;pfer des Neuen emporsprie&szlig;en kann? Allein der Christus, der als Sohn des Weltensch&ouml;pfers sowohl im inneren der menschlichen Seele lebt, als auch in der Au&szlig;enwelt identisch mit der gesamten Erde ist, wird ihm bei diesem Problem helfen k&ouml;nnen! Allein der Christus kann ihm helfen, dass auch der neueste Gedanke ein perfekter Ausdruck des urspr&uuml;nglichen, v&auml;terlichen Sch&ouml;pfungswillen werde. Dieser Zusammenhang wird m&ouml;glich Dank des Heiligen Geistes, welcher als Mutter sowohl diese Welt, wie auch jede andere Welt will, die in keinem Widerspruch zum dem Einen Sohn steht, der so ist, wie es dem Vater gef&auml;llt, und darum die einzig m&ouml;gliche Wirklichkeit verk&ouml;rpert.&nbsp;<br /></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der ich-werdende Mensch als ewiger Weltgedanke]]></title><link><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/der-ich-werdende-mensch-als-ewiger-weltgedanke]]></link><comments><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/der-ich-werdende-mensch-als-ewiger-weltgedanke#comments]]></comments><pubDate>Wed, 19 Jul 2023 09:50:52 GMT</pubDate><category><![CDATA[Uncategorized]]></category><guid isPermaLink="false">https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/der-ich-werdende-mensch-als-ewiger-weltgedanke</guid><description><![CDATA[Die Anthroposophie ist der Weltgedanke. Die Welt ist ein lebendiger Gedanke. Der lebendige Gedanke ist der Sohn. Der Sohn heisst Christus. Christus ist das Ganze. Christus ist die Welt als lebender Gedanke.&nbsp;&#8203;Ein lebender Gedanke ist kein gedachter Gedanke. Ein lebender Gedanke denkt. Nicht jeder Gedanke denkt. Nicht jeder Gedanke lebt. Die lebendigen Gedanken sto&szlig;en sich an den leblosen Gedanken. Die lebendigen Gedanken denken die leblosen Gedanken. Die Welt spiegelt sich in dem [...] ]]></description><content:encoded><![CDATA[<div class="paragraph">Die Anthroposophie ist der Weltgedanke. Die Welt ist ein lebendiger Gedanke. Der lebendige Gedanke ist der Sohn. Der Sohn heisst Christus. Christus ist das Ganze. Christus ist die Welt als lebender Gedanke.&nbsp;<br />&#8203;<br /><br /><span></span>Ein lebender Gedanke ist kein gedachter Gedanke. Ein lebender Gedanke denkt. Nicht jeder Gedanke denkt. Nicht jeder Gedanke lebt. Die lebendigen Gedanken sto&szlig;en sich an den leblosen Gedanken. Die lebendigen Gedanken denken die leblosen Gedanken. Die Welt spiegelt sich in dem, was sie nicht ist. Indem die Welt sich spiegelt, entsteht Bewusstsein von dem, was sie ist. Der Sohn formt den Spiegel gem&auml;&szlig; dieses Bewusstseins. Die leblosen Gedanken nehmen die Wesensform des Sohnes an. Der Sohn ist das Leben und das Leben kann nicht leblos sein. Das Leblose kann die Wesensform des Sohnes nicht als Ganzheit spiegeln. Die Zeit muss geboren werden, damit sich das Leben im Leblosen spiegeln kann. Was in der Zeit nacheinander geschieht, ist im lebendigen Weltgedanken ewig. Nichts vergeht. Weil nichts vergeht, entsteht der Raum. Das Nacheinander wird zum Nebeneinander. Aus der Einheit des Lebens wird die Vielfalt des gespiegelten Lebens. Der lebendige Weltgedanke spiegelt sich in Zeit und Raum, er formt den Spiegel vielf&auml;ltig. Die Wesensform des Sohnes vervielf&auml;ltigt sich in K&ouml;rpern, die gem&auml;&szlig; des Ganzen geformt sind. Der Sohn denkt sich selbst in der Vielf&auml;ltigkeit der K&ouml;rper, die sein Wesen spiegeln. Indem der Sohn sich selbst in den vielf&auml;ltigen Spiegeln seiner Wesensform denkt, werden die leblosen Spiegel mit Leben begabt. Das Leblose wird vom Leben ergriffen, aber es bleibt ein K&ouml;rper. Ein K&ouml;rper kann nicht das Ganze sein. Wenn der K&ouml;rper zum Leben erwacht, dann erlebt das Ganze sich als Teil. Jedes Teil ist ein Ganzes im Ganzen: der Sohn entdeckt sich selbst als Seele. Die Seele des Sohnes lebt in der Vielf&auml;ltigkeit der Seelen. Die Vielf&auml;ltigkeit der Seelen kann zun&auml;chst ohne die Vielf&auml;ltigkeit der K&ouml;rper nicht sein. Der Sohn erkennt sich als Seele, aber noch nicht als Weltgedanke. Der ganzheitliche Weltgedanke hei&szlig;t heiliger Geist. Damit die Seele sich als heiliger Geist erkennen k&ouml;nne, muss das Teil zum Ganzen werden. Darum str&ouml;mt die Sehnsucht des Sohnes zu den K&ouml;rpern. Der Sohn will sich selbst in einer Einzelseele als heiligen Geist finden. Die Seelen verlassen darum nach und nach das Ganze und verbinden sich mit den K&ouml;rpern. Der heilige Geist bleibt zun&auml;chst zur&uuml;ck. Der heilige Geist bleibt das Ganze. In den Seelen lebt vielf&auml;ltig der Sohn und sehnt sich nach sich selbst als Geist. Als heiliger Geist ist er nur au&szlig;erhalb der Seelen, aber er kann sich au&szlig;erhalb der Seelen nicht als sich selbst erleben.<br /><span></span><br /><br /><span></span>Weil der Weltgedanke in den Seelen lebt, wird neuer Geist geboren. Der neue Geist kann nicht das Ganze sein. Der neue Geist, der nicht das Ganze sein kann, ist der Mensch. Der Mensch ist K&ouml;rper, Seele und Geist. Als K&ouml;rper ist er gem&auml;&szlig; des Ganzen geformt, als Seele ist er das Wesen des Sohnes, als Geist ist er Sehnsucht nach sich selbst. Aber es gibt sein Selbst noch nicht. Der Mensch wird erst zum Selbst, wenn der Geist des Teiles sich mit dem Geist des Ganzen vereint. Diese Verbindung hei&szlig;t Ich. Damit der Mensch ein Ich werden k&ouml;nne, darum hat der Christus, als lebendiger Weltgedanke, sich mit einem K&ouml;rper, des Jesus, verbunden. Der Weltgedanke musste als K&ouml;rper, der mit dem Leblosen verbunden ist, sterben. Aber ein neuer K&ouml;rper, der nicht mit dem Leblosen verbunden ist, konnte dadurch aus dem Grab auferstehen. Der Jesus Christus schuf sich selbst neu als unsterblichen K&ouml;rper. Dieser unsterbliche K&ouml;rper ist seither neben den sterblichen K&ouml;rpern vorhanden. Es ist ein K&ouml;rper, der nur aus lebendigen Gedanken besteht. Es kann also kein gedachter K&ouml;rper sein. Es ist ein K&ouml;rper, der sich selbst denkt. Damit der menschliche Geist sich diesen K&ouml;rper denken kann, muss der neue Geist, der aus jeder einzelnen Seele str&ouml;mt, sich mit dem heiligen Geist vereinen. Der Sohn, der sich als Seele erlebt, muss sich selbst als Welt denken. Er findet die Kraft dazu in dem Weltgedanken selbst, der sich ihm in der Anthroposophie offenbart. Die Anthroposophie ist von einem Menschen gedacht worden: von Rudolf Steiner. Rudolf Steiner denkt den Weltgedanken und ist deshalb Ich. In der Seele Rudolf Steiners findet sich der Sohn als Geist. Der Teil wird zum Ganzen. Der Sohn erkennt den Vater. Der Sohn ist sich selbst der Vater. Vater, Sohn und heiliger Geist sind Eins.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Wo ist die Vielfalt geblieben?<br /><span></span><br /><br /><span></span>Die Vielfalt kann es erst geben, wenn wir Seelen sie erschaffen. Die Anthroposophie ist der Weltgedanke. Indem wir diesen Weltgedanken denken lernen, werden wir selbst zu einer neuen Welt. Dabei wird uns bewusst: Leben und Einheit sind dasselbe. Es gibt kein Leben ohne Einheit. Alle neuen Welten m&uuml;ssen eins sein, weil das Lebens eins ist. Es reicht also nicht aus, ein Ich zu werden. Die Seele muss lernen, mit jedem anderen Ich eins zu sein. Diese neue F&auml;higkeit, die der ich-werdende Mensch lernen muss, ist die Liebe. Ohne Liebe darf es keine Ich-Werdung geben. Gibt es trotzdem Ich-Werdung ohne Liebe, dann werden daraus neue leblose Gedanken. Neue leblose Gedanken, die uns selbst zum Spiegel werden k&ouml;nnen.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Der erste Ich-Mensch, auf den wir ich-werdenden Seelen sto&szlig;en, ist Rudolf Steiner selbst. Es pr&auml;sentiert sich uns kein anderes Ich in der Welt. Statt theoretisch andere Ich-Menschen zu lieben, kann die Liebes&uuml;bung sofort mit Rudolf Steiner beginnen. Die Einheit alles Lebens kann kein Ich ausschlie&szlig;en, darum auch nicht Rudolf Steiner. Wer Rudolf Steiner nicht lieben kann, wird das Leben auch in keiner anderen Liebe finden. Bei dem Versuch, Rudolf Steiner zu lieben, entdecken wir, wie sehr wir von ihm verschieden sind. Wir bemerken, dass uns der Heilige Geist fehlt. Wir erkennen uns als neue Geister, die nur aus Sehnsucht nach dem Ich bestehen. Die Sehnsucht nach dem Ich, der Egoismus, ist uns zum eigenen Wesen geworden. Dieses neue Wesen, das wir selbst sind, stellt sich in der Seele dem Christus entgegen. Aber der Christus bietet uns keinen Widerstand. Er bietet uns an, in ihm zu sterben, um als Ich aufzuerstehen. Wir k&ouml;nnen w&auml;hlen, reine Sehnsucht zu bleiben, aber wir k&ouml;nnen die Sehnsucht nicht erf&uuml;llen, ohne in Christus zu sterben. In Christus zu sterben hei&szlig;t, die Einheit des Lebens zu akzeptieren. Nur in der Einheit kann der neue Geist, der wir sind, selbst zu ewigem Leben erwachen. Jenseits des Lebens gibt es kein Leben. Was jenseits des Lebens ist, sollten wir besser verstehen, als jedes anderes Wesen: wir sind es selbst, bevor wir in Christus sterben. Unser ureigenstes Wesen ist darum tats&auml;chlich neu. Der Sohn schafft sich selbst als Neue Wesen. Rudolf Steiner ist der erstgeborene Sich-Selbst-geb&auml;rende.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Indem wir die Anthroposophie studieren, st&auml;rken wir in unserer Seele das einzige Ich, das uns bekannt ist: Rudolf Steiner. Aber der Christus unterscheidet nicht zwischen uns, als Ego, und dem Ich, das wir als Rudolf Steiner kennenlernen. Es gibt keinen Christus au&szlig;erhalb unserer eigenen Seele. Daher kann ein Mensch, der den Christus nicht in der eigenen Seele findet, den Christus nirgendwo finden. Der Christus ist Mensch geworden und es gibt ihn darum nur noch als Mensch. Die Sehnsucht nach dem Ich und das Ich sind eins im Menschen, auch wenn sie sich wie zwei verschiedene Wesen gegen&uuml;berstehen. Jede St&auml;rkung des Ich st&auml;rkt darum auch das Ego. Die Sehnsucht nach dem Ich, der Egoismus, wird durch die Anthroposophie nicht schw&auml;cher, sondern st&auml;rker. Allerdings findet das Ego in der Anthroposophie gleichzeitig die L&ouml;sung, wie es seine tiefste Sehnsucht erf&uuml;llen kann. Da die L&ouml;sung innerhalb der Zeit gefunden werden muss, sollte es niemanden verwundern, unter den Anthroposophen auch au&szlig;ergew&ouml;hnlich starke Egoisten zu finden. Die intensive Besch&auml;ftigung mit dem Weltgedanken f&uuml;hrt dazu, dass das Ego die Welt als sein Selbst erlebt. Das Ego nimmt am Ich-Leben teil, noch bevor es selbst Ich geworden ist. Die Einheit allen Lebens wird bereits vom Standpunkt des Teiles aus erahnt. Der Teil ahnt sich als das Ganze, ohne schon das Ganze zu sein. In der Welt erscheint dies als Hochmut und Arroganz. Ohne den egozentrischen Standpunkt, der durch den einzelnen K&ouml;rper vorgegeben wird, zu &uuml;berwinden, kann dieses Problem nicht gel&ouml;st werden. Anthroposoph sein hei&szlig;t: an diesem Problem zu arbeiten.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Wer nicht Anthroposoph ist, erlebt das Ich anders. Als Rudolf Steiner kann es ihm dann noch nicht erscheinen. Vor dem Zusammentreffen mit der Anthroposophie kann das Ich eigentlich nur dann erlebt werden, wenn es in einem vorigen Leben bereits durch Einweihung gest&auml;rkt worden ist. Ohne vorangegangene Einweihung kann in der Seele kein individuelles Ich vorhanden sein. Das Ich-Bewusstsein wird allein durch den K&ouml;rper erzeugt und &auml;u&szlig;ert sich als astralisches Ego. Doch lebt in jeder Seele der Christus als Weltenseele. Indem das Ego sich der Weltenseele liebend zuwendet, weil es sich von ihm die Erl&ouml;sung von seinem Leiden erwarten darf, kann der Christus den egoistischen Blickpunkt erweitern. F&uuml;hlen, Denken und Wollen werden durch den Christus zu einer Erweiterung des Seelenlebens angeregt. Durch diese Erweiterung ins &Uuml;berpers&ouml;nliche gelangt die Seele letztendlich bis zur Anthroposophie, wo sie dem &Uuml;berpers&ouml;nlichen als Weltgedanke gegen&uuml;bersteht. Sich dem Christus innerhalb der eigenen Seele zuwenden bedeutet also: sich der Weltenseele zuwenden, wie sie in uns allen lebt. Sich der Anthroposophie zuwenden bedeutet: die Weltenseele als individualisierten Weltengedanken des Neuen Menschen kennenlernen, der bereits ist, was wir selbst noch werden m&uuml;ssen. W&auml;hrend der Christus die uns alle einend tragende, seelisch-geistige Wesenheit ist, ist Rudolf Steiner also durchaus ein Anderer. Wir begegnen in Rudolf Steiner jener Christus-Wesenheit, die unser intimstes Selbst ist, als andere Person. Damit erkl&auml;rt sich sofort, wieso nicht jeder innige Christ sich auch gerne mit der Anthroposophie besch&auml;ftigen m&ouml;chte. Die Anthroposophie ist eine ganz au&szlig;ergew&ouml;hnliche Herausforderung an unsere Liebesf&auml;higkeit, weil wir hier tats&auml;chlich einen Anderen Menschen lieben sollen.<br /><span></span></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der Big Bang und die Liebe]]></title><link><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/der-big-bang-und-die-liebe]]></link><comments><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/der-big-bang-und-die-liebe#comments]]></comments><pubDate>Fri, 23 Dec 2022 09:13:50 GMT</pubDate><category><![CDATA[Uncategorized]]></category><guid isPermaLink="false">https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/der-big-bang-und-die-liebe</guid><description><![CDATA[Ist die Vorstellung des big bang nicht eine sehr ungew&ouml;hnliche Vorstellung?Die Geburt als Explosion&hellip;.Nirgendwo ist in der Welt eine solche Form von Geburt zu beobachten, und doch soll die Welt als Ganze geradeso so entstanden sein. W&auml;hrend &uuml;berall die Explosion zum Tode f&uuml;hrt, soll in diesem Fall eine Explosion der Ursprung alles Bestehenden sein. Die Vorstellung der Naturwissenschaft will hier also einen Tod zeitlich an den Anfang setzen, und aus diesem Tod soll sp&au [...] ]]></description><content:encoded><![CDATA[<div class="paragraph">Ist die Vorstellung des big bang nicht eine sehr ungew&ouml;hnliche Vorstellung?<br />Die Geburt als Explosion&hellip;.<br />Nirgendwo ist in der Welt eine solche Form von Geburt zu beobachten, und doch soll die Welt als Ganze geradeso so entstanden sein. W&auml;hrend &uuml;berall die Explosion zum Tode f&uuml;hrt, soll in diesem Fall eine Explosion der Ursprung alles Bestehenden sein. Die Vorstellung der Naturwissenschaft will hier also einen Tod zeitlich an den Anfang setzen, und aus diesem Tod soll sp&auml;ter alles Leben entstanden sein.&nbsp;<br />Wie ist es m&ouml;glich, dass sich so viele Seelen mit einer solchen Erkl&auml;rung zufrieden geben? Ein Grund ist zweifellos, dass die allermeisten Seelen nie dar&uuml;ber nachdenken. Aber auch sehr viele jener, die sich in die Ideen der Naturwissenschaft vertiefen, finden sich mit dieser Vorstellung zurecht und finden sogar Gefallen an ihr.&nbsp;<br /><br /><br />Die Vorstellung vom big bang ist eine perfekte Umkehrung der christlichen Idee von Tod und Auferstehung. Sie erlaubt der Seele, die nicht gr&uuml;ndlich nachdenkt, die Illusion, sich Materialismus und ewiges Leben als eine m&ouml;gliche Einheit vorzustellen. Diese Vorstellung beruhigt die Seele.&nbsp;<br /><br /><br />Warum aber ist es der Seele so wichtig, Materialismus und ewiges Leben als vereinbar denken zu k&ouml;nnen? Obwohl sie das Leben nicht versteht, ist die Seele sich doch zun&auml;chst ganz sicher, dass sie selbst dieses Leben ist: denn sie kann sich ganz eindeutig von allem Leblosen unterscheiden. Gleichzeitig glaubt sie zu bemerken, wie stark sie vom Leblosen abh&auml;ngt, um leben zu k&ouml;nnen. Dieser intensive Eindruck einer Abh&auml;ngigkeit vom Leblosen hat jedoch viel mehr mit dem Bewusstsein vom Leben zu tun, als mit dem Leben selbst. Die Seele wird sich ihres Lebens bewusst, weil sie in einem sterblichen Leib lebt. Die Seele identifiziert ihr eigenes Leben mit dem Leben des Leibes, weil dies ihre gegenw&auml;rtigen Beobachtungen best&auml;tigt. Jenseits einer Leiblichkeit kann die Seele nirgendwo Leben entdecken, weder bei sich selbst, noch bei anderen Lebewesen. Der Leib erscheint wie eine Grundvoraussetzung f&uuml;r das Leben, obwohl er eigentlich nur die Grundvoraussetzung f&uuml;r das Bewusstsein vom Leben ist. Ihr Selbstbewusstsein gewinnt die Seele gerade deshalb, weil der Leib nicht nur Leben, sondern auch Tod ist. Das Selbstbewusstsein erwacht am Anderen, am Verschiedenen, und das Andere ist der Tod. Die Seele hat mit dem Tod urspr&uuml;nglich nichts gemeinsam, und erkennt sich darum selbst angesichts eines sterblichen Leibes, an den sie schicksalshaft gebunden ist. Sie bemerkt an sich und an anderen Menschen, dass sie sich nicht ohne weiteres von jenem Leib losl&ouml;sen kann, ohne ihr Selbstbewusstsein zu verlieren. Doch sie beobachtet an Pflanzen und Tieren, dass es auch Leben geben kann, das nicht dasselbe Selbstbewusstsein besitzt. Auch bei Pflanzen und Tieren meint sie Leben und Tod als etwas beobachten zu k&ouml;nnen, das mit dem Leib untrennbar verbunden ist. Es erscheint ihr offensichtlich, dass es kein Leben ohne einen Leib geben k&ouml;nne. Woher kommt dieser Irrtum?&nbsp;<br /><br /><br />Dass die Seele sich ihres eigenen Lebens zum ersten Mal mit Hilfe eines sterblichen menschlichen Leibes bewusst wird, hat nicht etwa zur Folge, dass die Seele das Leben selbst erkenne. Und weil die Seele das Leben als solches nicht erkennen kann, identifiziert sie das Leben mit einer Leiblichkeit, welche Anzeichen von Lebendigkeit an sich tr&auml;gt. Die Seele verwechselt die Lebendigkeit mit dem Leben selbst. Zweifellos sind Pflanze, Tier und Mensch lebendig im Gegensatz zum Mineral. Von lebendigen Steinen phantasieren nur sehr Wenige, obwohl solche Phantasien nicht untersch&auml;tzt werden d&uuml;rfen. Pflanze, Tier und Mensch geben Anzeichen von Lebendigkeit, die man bei leblosem Stoff normalerweise nicht beobachten kann. Diese Anzeichen von Lebendigkeit erinnern die Seele an das, was sie selbst als ihr eigenes Leben erlebt. Sie glaubt darum, ihr eigenes Leben sei ebenso eine Fortentwicklung derselben Lebendigkeit, welche sie in der restlichen Natur beobachten kann. Sie glaubt, ihr F&uuml;hlen, Denken und Wollen sei nur eine h&ouml;here Form jener Lebendigkeit, die sie bei Pflanzen und Tieren beobachten kann. Da die Seele aber ihr eigenes F&uuml;hlen, Denken und Wollen genauso wenig versteht, wie ihr eigenes Leben, kann sie sich ihre eigenen F&auml;higkeiten nicht unabh&auml;ngig von einem Leib vorstellen. Der Leib wird ihr also zum Fundament alles Lebens und aller Manifestationen des Lebens. Das Vorhandensein von Leiblichkeit in der Welt erscheint ihr also wie eine absolut notwendige Voraussetzung f&uuml;r ihre eigene Existenz. Daraus erw&auml;chst ihr eine grundtiefe Angst, es k&ouml;nne einst eine solche Leiblichkeit nicht mehr vorhanden sein. Sie meint, mit dem Fehlen einer solchen Leiblichkeit sei auch ihr eigenes Leben beendet. Best&auml;tigt wird diese Vorstellung durch die Beobachtung des Todes an anderen Lebewesen. Weil sie dabei den Tod nur von au&szlig;en beobachten kann, fehlt ihr jegliche Kenntnis von dem seelischen Erlebnis des Todes. Sobald sie aber, mit dem Eintreten ihres eigenen, vermeintlichen, Todes eine solche Erkenntnis erlangen k&ouml;nnte, ist sie bereits nicht mehr dazu in der Lage, diese Erkenntnis an andere Mitmenschen weiter zu vermitteln. Der Tod steht also wie ein Geheimnis in der Zukunft eines jedes Menschen. Angesichts seiner Todesangst tr&ouml;stet sich der Mensch aber mit der Vorstellung, dass das Leben sich mittels der Leiber fortpflanze. Irgend etwas scheint ewig weiter zu leben, auch wenn nicht jeder seine eigene Pers&ouml;nlichkeit ewig erhalten kann.&nbsp;<br /><br /><br />Der Garant f&uuml;r ein solches Weiterleben mittels der sich fortpflanzenden Leiber scheint nun jenes zu sein, was man sich als Materie vorstellt. Irgend etwas muss der Welt ihre ewige Wirklichkeit garantieren, und dieses Etwas stellt die Seele sich als Materie vor. Die Vorstellung vom Vorhandensein von Materie wird f&uuml;r die Seele also wichtiger als ihr eigenes Leben, da sie sich ihr eigenes Leben unabdingbar mit dem Vorhandensein von Materie verkn&uuml;pft vorstellt. Aus dem big bang soll nun diese ewige Materie hervor gegangen sein. Aus einem Tod soll das entstanden sein, was die Basis f&uuml;r ihr eigenes Leben darstellt. Die Seele ist hierbei der Wahrheit in der wahrscheinlich absurdesten Weise nahe gekommen: sie hat die gr&ouml;&szlig;te Mythologie aller Zeiten erfunden!&nbsp;<br /><br /><br />Durch die vollkommene Umkehrung aller Tatsachen ger&auml;t sie in den Besitz eines nahezu perfekten Irrtums. Allerdings ist dieser Irrtum nur dann perfekt, wenn man im weiteren auf alles logische Denken verzichtet. Der Weg vom Urknall zum eigenen Seelenleben ist sehr lang, und er kann nur erfolgreich gegangen werden, wenn die Seele unglaublich bescheiden mit ihren eigenen F&auml;higkeiten umgeht. Die Seele muss auf alles verzichten, was sie selbst ausmacht, andernfalls kann sie niemals auf diesem mythologischen Weg des Materialismus erfolgreich sein. Zuallererst muss die Seele sich &uuml;berall Verstandesgrenzen setzen, andernfalls ist der &Uuml;bergang vom der toten Materie zu den Manifestationen des Lebens nicht zu meistern. Das ist der Grund, warum die Menschen so schwer angeschlagen aus dem heutigen Schulsystem herauskommen: sie haben jahrzehntelang auf wahrhaft logisches Denken verzichten m&uuml;ssen. Es ist von ihnen verlangt worden, das Undenkbare zu denken, und der Beweis ihres Erfolges zeigt sich dann, wenn sie beginnen, darauf stolz zu sein. Erst wenn die Seele in h&ouml;chstm&ouml;glichem Grade ihre eigene Lebendigkeit verloren hat, dann kann sie zufrieden mit der Mythologie des Materialismus koexistieren.&nbsp;<br /><br /><br />Jedoch treten dann neue Unzufriedenheiten auf: die Seele beginnt an ihrem eigenen Leben zu zweifeln, weil sich dieses Seelenleben immer schw&auml;cher manifestiert. Letztendlich kommt die Seele soweit, dass sie kaum mehr an ihr eigenes Vorhandensein glauben kann. Sie erkl&auml;rt sich dieses sehr unangenehme Gef&uuml;hl damit, dass sie sich selbst als Illusion vorstellt, welche durch den Leib erzeugt wird. An diesem Entwicklungspunkt wird ihre Gen&uuml;gsamkeit maximal gepr&uuml;ft: sie soll damit zufrieden sein, dass ihr gesamtes Erleben nicht mehr sei, als eine komplizierte Funktion des Leibes, welche allein dem &Uuml;berleben dieses Leibes zu dienen habe. Je mehr die Seele diese Vorstellung annehmen kann, um so mehr wird sie zum lebensfremden Zuschauer in einer Welt lebendiger Leiber. Sie beginnt ihre Aufgabe allein darin zu sehen, das Leben jener Leiber zu garantieren, von deren Vorhandensein ihr Zustand eines Zuschauers auf ewig abzuh&auml;ngen scheint. Das Beschauen des Lebens wird ihr zum Leben selbst, weshalb sie ganz neue Formen von Interessen entwickeln kann: w&auml;hrend sich in ihr das Leben manifestiert, beobachtet sie diese Manifestationen von au&szlig;en, als ob es nicht ihr eigenes Leben w&auml;re. Die Seele wird somit zu einem Psychologen, der sich selbst beobachtet, statt er selbst zu sein. Erst in diesem extremen Zustand der Selbstentfremdung werden die Vorstellung vom big bang und alle &auml;hnlichen materialistischen Vorstellungen, die eigentlich zutiefst beunruhigend sind, zu beliebten Beruhigungsmitteln, weil sie alle als Garant daf&uuml;r dienen, dass es in der Welt etwas gibt, was meinen jetzigen Zustand aufrecht erhalten kann: Es mag mich selbst nicht geben, aber es gibt eine Welt, die mir meine Illusion, zu leben, erh&auml;lt. Die Konservierung einer materiell vorgestellten Welt wird der Seele, die dabei ist, sich selbst ganz zu verlieren, zur obersten Pr&auml;misse.<br /><br /><br />Wie bereits anfangs erw&auml;hnt, entsteht diese gesamte Problematik erst gar nicht, solange die Seele nicht &uuml;ber sich selbst nachdenkt. Der Mensch kann durchaus zufrieden als beseelter Leib durchs Leben gehen, ohne sich von sich selbst zu entfremden. Die Voraussetzung daf&uuml;r ist, dass seine gesamte Aufmerksamkeit auf das sich &auml;u&szlig;erlich abspielende Leben gerichtet ist. Zu diesem &auml;u&szlig;eren Leben geh&ouml;rt allerdings auch das Leben seines eigenen Leibes: auch der eigene Leib ist in Wahrheit eine &auml;u&szlig;erliche Wirklichkeit. Das Eigentum eines pers&ouml;nlichen Leibes ist nur ein besonderer Aspekt im &auml;u&szlig;eren Leben: dadurch unterscheidet sich dieser Leib von allen anderen menschlichen Leibern, aber auch durch nichts anderes. Wird die Aufmerksamkeit des Menschen vollst&auml;ndig von den Geschehnissen, die sich im Zusammenhang mit seinem Leib ergeben, absorbiert, dann gibt es auch keinen Grund f&uuml;r Selbstzweifel. Dann ist der Mensch sein Leib, und das Schicksal seines Leibes ist sein eigenes Schicksal. Dieser nat&uuml;rliche Zustand bleibt auch beim dekadentesten Zweifler stets wirksam, nur verdirbt sich dieser seine schlichte Freude daran mit falschen Gedanken und Gef&uuml;hlen. Jeder Mensch kann also immer auf dieses nat&uuml;rlich gegebene Verh&auml;ltnis zwischen Seele und Leib zur&uuml;ckgreifen, solange er noch irgendein Verh&auml;ltnis zu den normalen Manifestationen der Lebendigkeit herstellen kann. Nur schwerwiegende Manipulationen am Leib k&ouml;nnen diesen urspr&uuml;nglichen Zusammenhang so weit st&ouml;ren, dass die Seele ihr gesundes Verh&auml;ltnis zum Menschenleben zu verlieren riskiert. Durch solche Manipulationen, welche entweder gewaltsam von au&szlig;en, oder auch durch eine extrem ung&uuml;nstige Seelenentwicklung verursacht werden k&ouml;nnen, entsteht eine Reihe von Irrwegen, welche noch viel schlimmer sind, als das oberfl&auml;chliche Neben-dem-Leben-stehen, wie es der passiv aufgenommene, nicht ganz durchdachte Materialismus verursacht.&nbsp;<br /><br /><br />So sehen wir in der Welt also zun&auml;chst zwei Hauptgruppen: erstens sind da die ganz normal dahin Lebenden, welche zwar schon Gedanklichkeit entwickeln, aber es nie bis zu einer ernsthaften Selbstreflektion bringen. Obwohl sie recht viel &uuml;ber die Welt wissen m&ouml;gen, wissen sie kaum etwas von sich selbst. Ihre eigene Anwesenheit in der Welt ist ihnen noch nie zum gen&uuml;gend starken Bewusstseinserlebnis geworden: sie erleben sich noch eher wie eins mit der Welt als verschieden von ihr; zweitens sind da jene, die zwar ebenfalls ihre eigene Anwesenheit in der Welt noch nicht bemerkt haben, jedoch begonnen haben, sich dar&uuml;ber zu wundern und darum nach ihrem Selbst zu suchen. Das gro&szlig;e Dilemma ergibt sich hierbei aus dem Umstand, dass dieses Selbst sich nicht beobachten l&auml;sst wie ein &auml;u&szlig;erer Gegenstand, eben weil es kein &auml;u&szlig;erer Gegenstand ist, sondern der Beobachter. Egal, wie viele Spiegel man im Au&szlig;en aufrichten mag: das Selbst kann man auf diese Weise nicht finden. Solange nun dieses Selbst nicht erkennen kann, dass es selbst jenes Leben ist, welche es in den Manifestationen der Welt, einschlie&szlig;lich des eigenen Leibes, beobachtet, kann es nicht jenen Zustand erreichen, den man das Ich nennt. Obwohl jede Seele sich selbst automatisch als Ich bezeichnet, ist der Zustand einer voll ausgebildeten Ichheit erst ein zuk&uuml;nftiges Ziel. Man k&ouml;nnte sagen: die Seele hat ein Ich, aber sie ist noch nicht dieses Ich.&nbsp;<br /><br /><br />Das Ich der Seele manifestiert sich sowohl als ihr eigenes Leben, als auch, in der Welt, als die Wesenhaftigkeit alles Lebendigen. Alle Lebenserscheinungen schlechthin sind auf ein Ich zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, auch wenn dieses Ich nicht im einzelnen Lebewesen gegenw&auml;rtig ist. Dasselbe gilt auch f&uuml;r den Leib des Menschen, dessen Lebendigkeit zwar auf ein Ich hindeutet, welches jedoch nur in ganz geringem Ma&szlig;e jenes Ich ist, von dem der Mensch selbst ein Bewusstsein hat. Was der Mensch normalerweise als sein Ich bezeichnet, ist eine Vorstellung, die er sich von sich selbst gebildet hat. Diese Vorstellung ist sehr stark an den Leib und seine Geschichte gebunden, und hat recht wenig mit jenem Ich zu tun, das diesem Leib seine Lebendigkeit schenkt. Trotzdem gibt es einen qualitativen Zusammenhang zwischen der Ich-Vorstellung und dem eigentlichen, dem h&ouml;heren Ich, weil die Seele sich in ihrem Ursprung nicht vom Ich unterscheidet. Sowohl die Seele als auch das Ich sind identisch mit dem Leben. Was ist also das Leben?<br /><br /><br />Das Leben ist das Wesen der Ganzheit. Weil die Seele zu ihrem Selbstbewusstsein dadurch erwacht, dass sie an einen einzelnen Leib gebunden wird, kann sie sich auch die Ganzheit zun&auml;chst nicht anders vorstellen als etwas doch Begrenztes. Es ist darum der Seele zun&auml;chst ganz unm&ouml;glich, sich nicht zu fragen, was denn &ldquo;jenseits&rdquo; der Ganzheit sei. Diese Frage zeigt aber nur, dass sie sich keine Ganzheit vorstellen kann. Sie muss also zun&auml;chst darauf verzichten, den Begriff der Ganzheit mit einem Inhalt ausf&uuml;llen zu k&ouml;nnen. Sie kann sich diesen Inhalt nur stufenweise erarbeiten. Der Inhalt des Ganzen ergibt sich ihr schrittweise, indem sie das Leben &uuml;berall dort erkennt, wo es erscheint. Mittels des denkenden Betrachtens aller Manifestationen des Lebens f&uuml;llt sich der Begriff des Ganzen mit sinnvollem Inhalt. Erkennend vereint die Seele sich mit dem Wesen der Ganzheit, in dem sie selbst ihren Ursprung hat. Bei diesem Vorgang wird das Ich des Ganzen zu ihrem eigenen Ich. Die Seele macht sich so zum Ursprung ihres eigenen Lebens. Weil dieser Vorgang aber bewusst geschieht, ist er bei jedem Mensch anders. Das bewusste Erleben der Ich-Werdung individualisiert die Seele. Obwohl jede individualisierte Seele eins mit dem Ich des Ganzen ist, ist sie doch verschieden von den anderen Seelen.<br />W&auml;hrend die Seelen in der urspr&uuml;nglichen Einheit aller Seelen von keiner Trennung wussten, und allein das Ich der Ganzheit von einer solchen Differenzierung wissen konnte, entsteht bei der Individualisierung eine bewusste Abtrennung zwischen den Seelen. Die Ich-Entwicklung der Seelen macht darum eine neue Kraft n&ouml;tig, welche diese voneinander getrennten Seelen auch bewusst als jene Einheit zusammenh&auml;lt, die sie als Ganzheit bereits sind. Das sich individualisierende Ich kann nur dadurch zum ewigen Leben erwachen, indem es sich bewusst mit seinem Mitmenschen besch&auml;ftigt. Dieses bewusste Interesse am Anderen hei&szlig;t Liebe. Ohne die Liebe ist keine Ich-Werdung m&ouml;glich. Ohne die Liebe w&uuml;rde eine Seele, die sich mit dem Wesen des Ganzen vereint, entweder ihr Selbstbewusstsein verlieren, oder das vermeintliche Ganze k&ouml;nnte niemals zum wirklichen Ganzen werden, sondern w&auml;re dazu verdammt, immer der Ausdruck einer begrenzten Pers&ouml;nlichkeit zu bleiben. Und m&uuml;sste somit letztendlich das Leben verlieren. Die Liebe ist die einzige Kraft, welche die Seele zu jenem Ich&nbsp; machen kann, von dem sie jetzt erst ein allererstes Bewusstsein hat.<br /><br /><br />Die Liebe, also das Interesse und die Anteilnahme am Leben unserer Mitmenschen und der Welt im allgemeinen, kann sich durchaus auf jegliche Manifestation des Lebens richten, aber sie kann stets nur das Wahrhaftige im Seelischen lieben, und niemals alle jene falschen Vorstellungen, welche sich eine Seele ebenso heranbilden kann. Das Wahrhaftige ist aber nichts anderes, als das Leben der Ganzheit. Wo immer die Ganzheit des Lebens sich manifestiert, dort kann die Seele das Wahrhaftige lieben, und es ist eben dieser Prozess einer Vereinigung mit dem Ganzen mittels dessen die Seele selbst zu einer ichhaften Wirklichkeit im Ganzen wird.&nbsp;<br /><br /><br />Es ist gesagt worden, dass die Liebe eine neue Kraft sei, welche die Seele zu ihrer Ich-Werdung ben&ouml;tigt. Neu ist diese Kraft aber nur f&uuml;r die sich individualisierende Seele. F&uuml;r die Ganzheit des Lebens ist diese Kraft nicht neu, sondern identisch mit ihrem Wesen. Was wir Einzelseelen als Welt erleben d&uuml;rfen, w&auml;re ohne die universelle Liebe ganz unm&ouml;glich. Selbst wenn uns keine Autorit&auml;t ausdr&uuml;cklich gesagt h&auml;tte, dass Gott die Liebe ist, m&uuml;ssten wir doch allein schon durch unsere eigene Beobachtung davon ausgehen, dass jene Wesenheit, welche der Begriff der Ganzheit ist, mit der Kraft der Liebe, die wir selbst in unserem Leben auf die verschiedensten Weisen erfahren k&ouml;nnen, identisch sein m&uuml;sse. Wenn wir aber die Kraft der Liebe genauer beobachten, dann wird uns auffallen, dass wir als jene Person, die wir gew&ouml;hnlich Ich nennen, nur in ganz geringem Ma&szlig;e der Ursprung dieser Kraft sind, und dass ebenso das jeweilige Objekt unserer Liebe nicht genau jenes ist, als welches sich zum Beispiel ein anderer Mensch uns pr&auml;sentieren will. Wer gepaart mit einer strengen Selbsterkenntnis die Liebeskraft beobachtet, der kann bemerken, dass die Liebe in einem geheimnisvollen Ort innerhalb unseres Seelenlebens entsteht, um einem ebenso geheimnisvollen Ort im Seelenleben unseres Gegen&uuml;ber entgegen zu str&ouml;men, sei es nun ein Mensch, ein Tier, eine Pflanze, oder sogar ein nicht physisch erscheinendes Wesen. Obwohl die Liebe in ihrer Wirkung dazu f&uuml;hrt, konkrete Einzelwesen zu verbinden, geht sie als Kraft weder von dem einen Einzelwesen aus noch str&ouml;mt sie dem anderen Einzelwesen zu, sondern sie durchstr&ouml;mt beide, und es kann dabei durchaus der deutliche Eindruck entstehen, dass hier ein und dasselbe Wesen sich selbst liebt. K&ouml;nnte es also nicht sein, dass die Liebe, als Wesen der Ganzheit, dort aufblitzt, wo immer ein Ich im Werden ist, und sich &uuml;berall dorthin entl&auml;dt, wo ebenso andere Iche im Werden sind? In anderen Worten: Ist es nicht vielleicht der Eine Gott, der sich selbst liebt? Denn: Welcher Mensch kann schon ernsthaft behaupten, selbst der Ursprung seiner Liebe zu sein?<br /><br /><br />So sind wir in unserem Gedankengang vom toten Gott des big bang beim lebenden Gott der Liebe angekommen. Wollen wir also jetzt tats&auml;chlich noch an der Vorstellung festhalten, dass der lebende Gott der Liebe unsere Welt aus dem Leichnam eines &ldquo;vorigen&rdquo; Gottes zusammengesetzt habe? Spielt Gott Lego, wie ein kleines Kind?<br /><br /><br />Der unterbewusste Wunsch, die Idee von der Materie nicht aufgeben zu m&uuml;ssen, zwingt uns aber zu solchen Gedanken. Selbst wenn wir uns dazu durchgerungen haben, zuzugeben, dass der &Uuml;bergang von der leblosen Materie zu lebendigen Organismen ganz unm&ouml;glich durch jene Kr&auml;fte geschehen sein kann, die wir im Leblosen finden k&ouml;nnen; selbst wenn wir zugeben, dass die Sch&ouml;pfung nicht m&ouml;glich sein kann ohne einen bewussten und lebenden Sch&ouml;pfer, und wir aufgeben haben, diesen Sch&ouml;pfer hinter dem big bang zu verstecken; selbst dann bleibt noch der Zweifel offen, was eigentlich der urspr&uuml;ngliche Baustein dieser Sch&ouml;pfung sei: ist es die Materie oder etwas anderes?<br /><br /><br />Bestehen wir auf dem Gedanken der Materie, dann wollen wir damit letztendlich immer beweisen, dass Gott Lego spielt, und wir erhalten uns dadurch das &ldquo;kosmische Lego&rdquo; als den Garant f&uuml;r unsere eigene Existenz, die wir uns nicht anders vorstellen k&ouml;nnen, als an einen nat&uuml;rlichen Leib gebunden. Wir wollen also nicht von der Vorstellung loslassen, dass es in der Welt etwas geben m&uuml;sse, das objektiv als Wirklichkeit gegeben ist, weil wir sogar Gott selbst, als h&ouml;chstem Subjekt, nicht unser jetziges Leben anvertrauen m&ouml;chten. Die Idee, dass ein Wesen diese Welt, samt uns selbst, aus dem Nichts erschaffen habe, erschreckt uns zutiefst. Was aber ist das Nichts?<br /><br /><br />Allein schon diese Frage zeigt, genauso wie im Falle des Begriffes der Ganzheit, dass wir nicht dazu in der Lage sind, den Begriff des Nichts mit einem Inhalt zu f&uuml;llen. Es ist genauso unm&ouml;glich zu fragen, was ein Nichts ist, wie es unm&ouml;glich ist, zu fragen, was jenseits des Ganzen ist. Wir m&uuml;ssen uns darum daran gew&ouml;hnen, dass wir auf gewisse Fragen, die sich allein aus unserem jetzigen Seinszustand ergeben, verzichten m&uuml;ssen.<br /><br /><br />Bestehen wir hingegen nicht mehr auf dem Gedanken der Materie, weil wir uns selbst, mit allen m&ouml;glichen Mitteln, davon &uuml;berzeugt habe, dass so etwas wie eine Materie nirgendwo aufzufinden ist, dann haben wir uns dadurch den Weg frei gemacht, jenes Wesen, das wir, als Gesch&ouml;pfe, den Sch&ouml;pfer nennen m&uuml;ssen, in seinem Schaffen vorurteilslos beobachten zu k&ouml;nnen. Wir d&uuml;rfen bei uns selbst entdecken: bevor etwas erscheinen kann, muss es gedacht werden. Alles, was der Mensch erschaffen will, muss zuerst als Gedanke in ihm sein. Und wenn wir uns hinzu noch auf unseren intimen Zusammenhang mit dem Leben der Ganzheit besinnen, dann kann uns recht schnell klar werden: was ich bei mir selbst im Kleinen beobachten kann, ist auch das Prinzip der Sch&ouml;pfung im Gro&szlig;en.&nbsp;<br /><br /><br />Und auch hier gilt: selbst wenn uns keine Autorit&auml;t gesagt h&auml;tte, dass Gott der Logos ist, k&ouml;nnten wir doch aus eigener Kraft erkennen, dass der Urbaustein der Sch&ouml;pfung nicht die Materie ist, sondern dass wir auf der genau gegen&uuml;berliegenden Seite suchen m&uuml;ssen: im Denken! Und je mehr wir das Wesen des Denkens erkennen, verstehen wir, dass Gott nicht Lego spielt, sondern denkt: liebend denkt.&nbsp;<br /><br /><br />Erst durch solche Gedanken wird die christliche Idee von Tod und Auferstehung ins rechte Licht ger&uuml;ckt. Nicht aus einer fiktiven Materie kann irgend etwas auferstehen, und somit von einem sterblichen Leben zu einem ewigen Leben finden. Nicht etwa aus den Bruchst&uuml;cken des big bang k&ouml;nnen wir ein ewiges Ganzes zusammensetzen, sondern nur, indem wir uns bewusst mit dem Ganzen vereinen, das wir bereits sind, k&ouml;nnen wir uns, als ewige Sch&ouml;pfer unserer eigenen Ichwesenheit, individualisieren. Unser &ldquo;Tod&rdquo; w&auml;re hierbei der freiwillige Verlust unseres jetzigen Bewusstseinszustandes, der uns an eine vorgegebene Leiblichkeit bindet und uns dabei gleichzeitig eine fiktive Freiheit vorgaukelt; und die &ldquo;Auferstehung&rdquo; w&auml;re die tats&auml;chlich freie Neu-Sch&ouml;pfung unserer eigenen Wesenheit, zwar bedingt durch das Wesen des Ganzen, aber in absoluter Freiheit in Bezug auf die Ausgestaltung unserer eigenen neuen Ganzheit.&nbsp;<br /><br /><br />Das Geheimnis einer solchen Neu-Sch&ouml;pfung aus dem Ganzen heraus ist das Gesetz der Metamorphose, dessen einzige zwingende Voraussetzung unsere grenzenlose Liebe f&uuml;r das Wesen der Ganzheit selbst ist, welche uns als der Sohn Gottes entgegentritt. Psychologisch betrachtet, ist diese scheinbar unsere Freiheit einengende Notwendigkeit, den einzigen Sohn des Sch&ouml;pfers zu lieben, nichts anderes als die objektive Notwendigkeit, dass wir uns selbst lieben m&uuml;ssen, wenn wir ewig sein wollen. Wir k&ouml;nnen nicht vom Zustand des Gesch&ouml;pfes zum Zustand des Sch&ouml;pfers aufsteigen, solange wir nicht die Sch&ouml;pfung als Ganzheit grenzenlos lieben wollen.&nbsp;<br /><br /><br />Diese, eigentlich sehr &uuml;berraschende F&auml;higkeit, als Gesch&ouml;pfe die Sch&ouml;pfung auch nicht lieben k&ouml;nnen, ist die Voraussetzung f&uuml;r unsere Freiheit. Indem wir die M&ouml;glichkeiten dieser Freiheit auszusch&ouml;pfen lernen, entdecken wir auch die M&ouml;glichkeit zu Irren. Doch auch wenn die M&ouml;glichkeit zu Irren das gr&ouml;&szlig;te aller Wunder der Sch&ouml;pfung ist, sollten wir zur Weisheit finden, auf den Irrtum freiwillig zu verzichten, statt, wie gebannt von seinem Schein, in selbstzerst&ouml;rerischer Tatenlosigkeit zu verharren. Denn auch die M&ouml;glichkeit, uns selbst zu zerst&ouml;ren, ist Teil der uns gegebenen Freiheit. Statt uns also endlos dar&uuml;ber zu freuen, dass wir f&auml;hig sind, einen Irrtum wie den big bang zu denken, sollten wir uns frei dazu entschlie&szlig;en, das Denken selbst zu erforschen, um einst Jenen finden zu k&ouml;nnen, der uns den Irrtum erlaubt hat.<br /></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die tempelflüchtigen]]></title><link><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/die-tempelfluchtigen]]></link><comments><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/die-tempelfluchtigen#comments]]></comments><pubDate>Sun, 11 Dec 2022 08:52:23 GMT</pubDate><category><![CDATA[Uncategorized]]></category><guid isPermaLink="false">https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/die-tempelfluchtigen</guid><description><![CDATA[Anthroposophie und Gemeinschaftsleben&#8203;&#8203;Man sollte sich erwarten d&uuml;rfen, dass ein allumfassendes Wissen jene Menschen, die sich mit diesem Wissen besch&auml;ftigen, auch umfassend vereinen w&uuml;rde. Doch ist dies bei der Anthroposophie nicht der Fall, solange ihre Sch&uuml;ler sich dieser alles vereinenden Umfassendheit nicht gen&uuml;gend bewusst werden. Es ist sogar bei angehenden Sch&uuml;lern eine gesteigerte Streitbarkeit zu beobachten. Anthroposophie ist also keinesfalls  [...] ]]></description><content:encoded><![CDATA[<div class="paragraph"><strong>Anthroposophie und Gemeinschaftsleben<br />&#8203;<br />&#8203;</strong>Man sollte sich erwarten d&uuml;rfen, dass ein allumfassendes Wissen jene Menschen, die sich mit diesem Wissen besch&auml;ftigen, auch umfassend vereinen w&uuml;rde. Doch ist dies bei der Anthroposophie nicht der Fall, solange ihre Sch&uuml;ler sich dieser alles vereinenden Umfassendheit nicht gen&uuml;gend bewusst werden. Es ist sogar bei angehenden Sch&uuml;lern eine gesteigerte Streitbarkeit zu beobachten. Anthroposophie ist also keinesfalls eine Kraft in der Welt, welche automatisch die Menschen zusammenbringt.&nbsp;<br /><br />Mittels des Studiums verbindet sich der Sch&uuml;ler der Anthroposophie mit einer Weisheit, die allumfassend ist. Von der Art, wie diese Verbindung sich gestaltet, h&auml;ngt sein weiteres Schicksal als soziales Wesen ab. Zun&auml;chst tritt die Anthroposophie gleich jedem anderen Wissen in das Leben eines Menschen, als eine Lehre mit einem Wahrheitsanspruch. Dass es sich um ein allumfassendes Wissen handelt, wird es nur von jenen sofort erkannt, welche zuvor an der Beschr&auml;nktheit aller anderen Wissensformen gen&uuml;gend gelitten haben. Wer der Anthroposophie vorher begegnet, der kann glauben, es hier nur mit einer, neben vielen, Weisheiten zu tun zu haben. Er wird dann versuchen, die Anthroposophie in sein bisheriges Weltbild einzuordnen. Aber nur solange sich ihm das Wesen der Anthroposophie ganz verschlie&szlig;t, kann ihm das auch gelingen. H&auml;ufiger ist, dass er das wahre Wesen der Anthroposophie zumindest instinktiv bemerkt, und sie, als Reaktion darauf, vehement von sich weist. Als Normalzustand w&auml;re also eine innerliche Abwehr gegen die Anthroposophie anzusehen. Sich anf&auml;nglich gegen die Anthroposophie zu wehren, ist ein Zeichen von Gesundheit, denn es wird hier der nat&uuml;rliche Seinszustand des Menschen in Frage gestellt. Ein seelisch-geistig aufmerksamer Mensch bemerkt beim ersten Kontakt zur Anthroposophie sofort: die Anthroposophie l&auml;sst mich nicht so sein, wie ich jetzt bin. Darum kann nur ein seelisch-geistig sehr unaufmerksamer Mensch frohgemut die Anthroposophie in sein Leben integrieren, ohne zu bemerken, welchen radikalen Verwandlungskr&auml;ften, die sein gesamtes Leben in Frage stellen, er sich hierbei potenziell aussetzt. Solange er jedoch in die Anthroposophie nicht tief genug gedanklich eintaucht, bleibt er vor jeglicher Verwandlung bewahrt. Es stellt sich dann nur noch die Frage, welchen Sinn die Anthroposophie jenseits ihres gr&uuml;ndlichen gedanklichen Erfasstwerdens haben k&ouml;nne. Diese Frage muss auf die Meisten angewendet werden, die sich in der Welt als anthroposophisch-gebildete Menschen manifestieren. Man gibt sich da gerne mit Teil-Informationen zufrieden, welche man als Kuriosit&auml;ten in sein Leben integriert. Und man freut sich, wenn diese Teil-Informationen in praktischen Bereichen zu positiven Resultaten f&uuml;hren, wobei die Positivit&auml;t weiterhin vom Gesichtspunkt des gew&ouml;hnlichen Lebens aus beurteilt wird. Man meint also, die Anthroposophie k&ouml;nne im t&auml;glichen Leben n&uuml;tzlich sein. Die Erfolge sind auch beobachtbar, man unterliegt hier keinem Irrtum. Der Irrtum ist ganz woanders zu suchen. Nicht weil man die Anthroposophie in sein eigenes Leben integriert hat, verbessert sich dieses Leben, sondern weil das eigene Leben allm&auml;hlich in die Anthroposophie integriert wird! Die Besch&auml;ftigung mit der Anthroposophie erlaubt es den lebendigen Ideen, die man in sich aufnimmt, das Leben jedes Einzelmenschen sinnvoll in die allumfassende Weisheit einzuordnen. Die allumfassende Weisheit beginnt somit, sich im Einzelmenschen zu individualisieren. Geschieht dieser Vorgang aber nicht vollbewusst, sondern mehr als unterbewusster Einfluss, dann beginnt der Mensch viel zu fr&uuml;h, sich selbst mit der allumfassenden Weisheit pers&ouml;nlich zu identifizieren. Statt diese Identifikation als h&ouml;chstes Ideal anzusehen, genie&szlig;t man das Gef&uuml;hl, sich selbst bereits jetzt als allumfassendes Wesen ahnen zu k&ouml;nnen. Ein solches Gef&uuml;hl ist allerdings m&ouml;glich, sobald man sich der Anthroposophie gef&uuml;hlsm&auml;&szlig;ig ge&ouml;ffnet hat.&nbsp;<br />In einer ersten Phase wird demnach die Anthroposophie eher wie etwas Fremdes aufgenommen und genutzt, in einer zweiten Phase beginnt man sie zu verinnerlichen, sich mit ihr zu vereinen. Obwohl die zweite Phase ein Fortschritt ist, liegen hier neue Gefahren verborgen, solange der Mensch sich noch nicht aus dem gew&ouml;hnlichen Seelenleben befreit hat. Im gew&ouml;hnlichen Seelenleben, das an den nat&uuml;rlichen Leib gebunden ist, entsteht n&auml;mlich der Eindruck, das gew&ouml;hnliche Ich werde allumfassend. Der Mensch kommt zu einem Lebensgef&uuml;hl, das ihm vorgaukelt, er selbst als Person sei allumfassend. Die anderen Menschen kommen ihm vor wie Bestandteile seiner eigenen Welt. Man stelle sich nun vor, 2 solche Menschen treffen aufeinander. Jeder erhebt den, meist unausgesprochenen, Anspruch, der Andere sei Bestandteil der eigenen Wesenheit. Man darf sich darum nicht wundern, dass, gerade bei ernsthaften Anthroposophen, in dieser Phase die Streitbarkeit stark ansteigt.&nbsp;<br />Erst wenn die Illusion des physischen Sinneslebens &uuml;berwunden worden ist, kann dieser leidig-lustige Zustand tats&auml;chlich &uuml;berwunden werden. Allerdings kann solches erst in einer sp&auml;teren Entwicklungsphase und auch nur individuell erreicht werden. In jener 3. Phase bildet sich das soziale Leben dann auf einer ganz anderen Ebene, als Liebe von Ich zu Ich.&nbsp;<br /><br />Im gew&ouml;hnlichen sozialen Leben kann man darum nur 2 Menschensorten vorfinden, die sich mit Anthroposophie besch&auml;ftigen:&nbsp;<ol><li style="color:rgb(0, 0, 0)">Jene, die noch gar nicht wirklich bemerkt haben, mit was sie es zu tun haben, und welche sich darum nicht sonderlich von anderen Idealisten unterscheiden.&nbsp;</li><li style="color:rgb(0, 0, 0)">Jene, die schon tiefer in den Sinn der Anthroposophie eingedrungen sind, aber noch nicht den Punkt der Befreiung vom physischen Sinnesleben erreicht haben.&nbsp;</li></ol><br />Gerade aus dem gew&ouml;hnlichen Gesellschaftsleben geht vor allem jene Sorte hervor, die sofort mit Phase 2 beginnt. Hingegen kann es die 1. Sorte fast nur unter jenen geben, die innerhalb von anthroposophischen Institutionen aufgewachsen sind. Eine Ausnahme bilden besonders oberfl&auml;chliche Menschen, die schlechthin alles in ihr Leben integrieren k&ouml;nnen, das sich irgendwie alternativ pr&auml;sentiert.&nbsp;<br /><br />Beim sozialen Schaffen kann man eigentlich nur mit der 1. Sorte rechnen. Die 2. Sorte ist fundamental asozial.<br /><br />Die 1. Sorte von Menschen ist eine ganz ungew&ouml;hnliche Truppe von Kulturmenschen. Sie tun das Unm&ouml;gliche: sie integrieren eine allumfassende Weisheit in ihre eigene, begrenzte Vorstellungswelt. In anderen kulturellen Umfeldern ist das m&ouml;glich, weil man es nur mit Weisheitssplittern und kompletten Irrt&uuml;mern zu tun hat. Der einzelne Mensch ist durchaus das Umfassendere in Bezug auf die gew&ouml;hnliche Kultur, und er tut gut daran, sich auch so zu verhalten. Jedoch ist Anthroposophie Initiationswissenschaft, welche das Ganze lehrt. Hier &auml;ndert sich das Verh&auml;ltnis! Der Einzelmensch ist zun&auml;chst nur ein Teil des Ganzen, er ist Gesch&ouml;pf, und er muss sich dementsprechend verhalten. Wer gr&ouml;&szlig;er als das Ganze sein zu will, der muss scheitern - jedoch nur, wenn er es bewusst tut. Unbewusst getan, macht er sich selbst zu einem Kuriosum: man betrachtet es und wundert sich, wie es das geben kann. Die Existenz solcher Kuriosit&auml;ten muss Rudolf Steiner aber ein gro&szlig;es Anliegen gewesen sein, weil er sonst niemals die Geheimwissenschaft ver&ouml;ffentlichen h&auml;tte d&uuml;rfen. In den alten Einweihungsst&auml;tten wurde eine solche Existenzform noch mit extrem strengen Mitteln vermieden. Wenn ein Einzuweihender, der bereits gewisse Einblicke haben durfte, die Pr&uuml;fung nicht bestand, wurde er nie mehr aus dem Tempel hinausgelassen! Die Waldorfschulen und andere anthroposophische Institutionen erzeugen jetzt hingegen massenweise solche Menschen. Man k&ouml;nnte sie &ldquo;Tempelfl&uuml;chtlinge&rdquo; nennen.&nbsp;<br /><br />In den Seelen der Tempelfl&uuml;chtlingen tut sich ein weiter Graben auf. Dieser Graben ruft nach einer nie da gewesenen Ausdehnung des Seelischen. Die Seele soll lernen, alle Bereiche des Lebens zu umfassen. Der umfassende Geist will umfassende Einzelseelen schaffen.&nbsp;<br /><br /><strong>Die Welt der Tempelfl&uuml;chtigen</strong><br /><br />Jeder Mensch, der unvorbereitet auf die Anthroposophie st&ouml;&szlig;t, ist ein Tempelfl&uuml;chtiger. Wie auch in alten Zeiten, kann die Vorbereitung nur darin bestehen, sich aus dem Lebenskampf selbst die n&ouml;tigen Fragen erarbeitet zu haben, welche in der Anthroposophie ihre Antworten finden. Ger&auml;t man hingegen an die Antworten, bevor man an den Fragen gen&uuml;gend gelitten hat, ist man unvorbereitet. Man kann die Antworten dann entweder ganz ablehnen, oder man kann versuchen, sie dekorativ f&uuml;r das eigene Leben zu benutzen. Welchen Weg man geht, liegt sowohl am Charakter als auch am Schicksalsweg. Ein empfindsamer Charakter, der sich nach dem Sch&ouml;nen und Guten sehnt, kann die ungefragt erhaltenen Antworten eher annehmen als ein aggressiver Egoist. Ebenso ist ausschlaggebend, wer der &Uuml;berbringer der Antworten ist. Hat man die anthroposophische Weisheiten in jungen Jahren in einem liebevollen Umfeld aufnehmen d&uuml;rfen, dann kann es gut sein, dass man man sie nur deshalb weiterhin mit sich tr&auml;gt, weil sie einen an eine angenehme Jugendzeit erinnern. In jedem Fall bleibt man aber ein Mensch, der vor den h&ouml;heren Wahrheiten fl&uuml;chtet, weil man ihre Notwendigkeiten nicht wirklich einsehen kann. Man ist ein Tempelfl&uuml;chtiger, der sein Heil in der naturgegebenen Welt sucht. Um sich in der naturgegebenen Welt zurecht zu finden ist jedoch das Tempelwissen nur dann n&uuml;tzlich, wenn man es verinnerlicht hat. Als reiner Dekor ist es ein Zeichen von Schw&auml;che, wie alles zivilisatorische und kulturelle Beiwerk des menschlichen Lebens. Da nun aber tats&auml;chlich sehr wenig vom Mensch &uuml;brig bleiben w&uuml;rde, wenn man alles kulturelle Beiwerk aus dem t&auml;glichen Leben verbannen wollte, ist es ganz sinnlos &uuml;ber den Mensch als reines Naturwesen nachzusinnen. Der Mensch ist erst Mensch durch eben dieses Kulturleben, in welchem er seine naturgegebene Kreativit&auml;t zun&auml;chst allein ausleben kann. Wollte man solches verhindern, dann w&auml;re das, als w&uuml;rde man sich einen direkten Evolutionssprung vom Tier zum Gott erwarten. Die Menschheitsphase besteht eben gerade darin, dass der Mensch seine g&ouml;ttliche Kreativit&auml;t nicht in der Natur selbst auslebt, sondern dass er sich ein eigenes Reich neben die Natur hinzu schafft. Die Anthroposophie soll ihm dabei helfen, dass seine eigene Kreativit&auml;t nicht in einem Widerspruch zur jener Kreativit&auml;t stehe, welche ihn selbst und die gesamte Natur geschaffen hat. W&auml;re er jedoch kein Tempelfl&uuml;chtiger, dann k&ouml;nnte seine eigene Kreativit&auml;t nichts anderes sein als eine direkte Fortsetzung der nat&uuml;rlichen Kreativit&auml;t. Gerade weil er ein Tempelfl&uuml;chtiger ist, kann er etwas Neues schaffen - das allerdings nie etwas anderes als ein Irrtum sein kann. Der Irrtum besteht in der Missachtung jener geistigen Welt, die ihn selbst erschaffen hat. Der irrende Mensch schafft darum Welten, die ihn selbst als Existenzform ausschlie&szlig;en. W&uuml;rde man es ihm hierbei erlauben, sich aller Naturkr&auml;fte zu bedienen, dann w&uuml;rde er sich selbst ent-schaffen! Seine Kreativit&auml;t muss sich darum auf einen Bereich beschr&auml;nken, der keine Wirklichkeit hat. Innerhalb der gro&szlig;en Illusion schafft der Mensch sich seine eigene Welt. Die Anthroposophie, in ihrem wahren Wesen verstanden, bereitet diesem Wirken innerhalb des Irrtums ein Ende. Sie soll den Mensch zu einem bewussten Wirken in Harmonie mit jener geistigen Welt bewegen, welche auch ihn selbst erschaffen hat. Das bedeutet aber nichts weniger als dass die Anthroposophie von jenem Leben, das sich innerhalb der Illusion abspielt, verlangt zu sterben. Die Anthroposophie ist darum, wenn wirklich&nbsp; verstanden, kein kulturelles Element, mit dem man das gew&ouml;hnliche Leben weiterf&uuml;hren kann. Es kann im allgemeinen Kulturleben darum nur eine unverstandene Anthroposophie auftauchen. Man kann sich dar&uuml;ber wundern, wie so etwas m&ouml;glich sein k&ouml;nne, da sich die Anthroposophie doch gerade ganz besonders an die Verstandeskr&auml;fte wendet. Wie kann man eine Wissenschaft, die den deutlichen Anspruch erhebt, verstanden zu werden, frohgemut benutzen, ohne sie zu verstehen? Im Grunde ist nichts in der Welt so ungeeignet als Kulturtr&auml;ger wie die Anthroposophie. Die Lage ist ganz &auml;hnlich wie beim institutionellen Christentum: sobald man tats&auml;chlich Christ geworden ist, muss man aus der Kirche austreten. Nur verlangt das institutionelle Christentum kein intellektuelles Verst&auml;ndnis, sondern ein rein gef&uuml;hlsm&auml;&szlig;iges Erfassen. Es l&auml;sst sich also viel einfacher in unser intellektuell gepr&auml;gtes restliches Leben einf&uuml;gen. Zumindest, solange dieses intellektuelle Leben die Religion nicht ausschlie&szlig;t. Bei der Anthroposophie kann aber die Trennung von Denken und F&uuml;hlen nicht helfen. Anthroposophie soll gedacht werden. Trotzdem gelingt es den Menschen, die Anthroposophie zu denken ohne zu denken. Von Gedanken zu sprechen, die man nicht verstanden hat, ist f&uuml;r die meisten Menschen kein Problem, sie tun das auch in allen anderen Bereichen. Diese F&auml;higkeit hat ihren Ursprung in der Gew&ouml;hnung an den Irrtumszustand. Man ist gew&ouml;hnt zu irren, es mindert nicht das Lebensgef&uuml;hl. Die Anthroposophie kann sich darum, obwohl sie die Wahrheit ist, in den Irrtum einreihen. Aber sie ist sehr unbequem und darum als Kulturmittel nur sehr eingeschr&auml;nkt einsetzbar. Es besteht in jedem Moment das Risiko, dass jemand sie versteht. Sobald sie jedoch ann&auml;hernd verstanden wird, ger&auml;t der Mensch in Phase 2, wo er zun&auml;chst sozial unbrauchbar wird. In der praktischen Anwendung f&uuml;r das Gemeinschaftsleben kann die Anthroposophie darum nur aus dem Hintergrund heraus wirken.<br />&#8203;</div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[wer ist der Arbeiter?]]></title><link><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/wer-ist-der-arbeiter]]></link><comments><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/wer-ist-der-arbeiter#comments]]></comments><pubDate>Thu, 23 Sep 2021 07:00:00 GMT</pubDate><category><![CDATA[Uncategorized]]></category><guid isPermaLink="false">https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/wer-ist-der-arbeiter</guid><description><![CDATA[Wenn ein Mensch arbeitet, kann der T&auml;tige der Geist, die Seele oder der K&ouml;rper sein. Gehen wir also einmal davon aus, wir seien selbst dieser arbeitende Mensch. Wer arbeitet, wenn ich arbeite? Bei einer sachlichen Betrachtung bemerke ich, dass ich bei jeglicher Form von Arbeit den physischen Leib benutze. Doch scheint es mir, dass ich ihn manchmal mehr und manchmal weniger benutze, weshalb man auch zwischen k&ouml;rperlicher und geistiger Arbeit unterscheidet. Doch wer bin ich, der sic [...] ]]></description><content:encoded><![CDATA[<div class="paragraph">Wenn ein Mensch arbeitet, kann der T&auml;tige der Geist, die Seele oder der K&ouml;rper sein. Gehen wir also einmal davon aus, wir seien selbst dieser arbeitende Mensch. Wer arbeitet, wenn ich arbeite? Bei einer sachlichen Betrachtung bemerke ich, dass ich bei jeglicher Form von Arbeit den physischen Leib benutze. Doch scheint es mir, dass ich ihn manchmal mehr und manchmal weniger benutze, weshalb man auch zwischen k&ouml;rperlicher und geistiger Arbeit unterscheidet. Doch wer bin ich, der sich so empfindet? Wer empfindet sich eingespannt zwischen Geist und K&ouml;rper? Wer bin ich, wenn ich einerseits auf den K&ouml;rper schaue, der Arbeiten verrichtet, und andererseits erlebe, wie eine geistige Welt mein F&uuml;hlen und Denken inspiriert? Ich, der Erlebende, bin die Empfindungsseele. Als Empfindungsseele bin ich zwar an einen einzelnen K&ouml;rper gebunden, den ich als meinen K&ouml;rper erleben muss, doch betrifft dieses Erleben nur einen ganz kleinen Teil der k&ouml;rperlichen Lebens. Ich erlebe meinen K&ouml;rper eigentlich nur dann etwas bewusster, wenn seine Harmonie mit der Welt auf irgendeine Weise gest&ouml;rt wird: wenn Druck auf ihn ausge&uuml;bt wird, wenn er erm&uuml;det, wenn er krank ist, wenn er &uuml;berreizt wird, wenn er Giften ausgesetzt wird. Im harmonischen Normalzustand bemerke ich meinen K&ouml;rper eigentlich kaum. Was in ihm vorgeht, ist mir nahezu vollst&auml;ndig unbekannt. Ich bemerke sein Vorhandensein dann nur durch seine Willens&auml;u&szlig;erungen. Mein K&ouml;rper verlangt von mir, ihn bei gewissen Taten zu begleiten. Und weil ich an ihn gebunden bin, habe ich keine andere Wahl, als meine Aufmerksamkeit auf diese Taten zu richten, wenn mein K&ouml;rper es von mir verlangt. &nbsp;<br /><span></span>Damit mein K&ouml;rper nicht sein harmonisches Verh&auml;ltnis zur Welt verliere, sind gewisse Vorg&auml;nge in der Welt n&ouml;tig, welche mit Hilfe des K&ouml;rpers selbst ausgef&uuml;hrt werden m&uuml;ssen. Diese Vorg&auml;nge sollen Ern&auml;hrung, Fortpflanzung und Schlafen erm&ouml;glichen. Die Bed&uuml;rfnisse des K&ouml;rpers sind damit bereits abgedeckt. G&auml;be es nur Seele und K&ouml;rper, dann w&auml;ren alle Arbeiten darauf beschr&auml;nkt, diese drei Notwendigkeiten abzusichern. Da ich als Seele jedoch auch direkte Impulse von der geistigen Welt empfange, kann mir dies nicht gen&uuml;gen. Um mich vollwertig als Seele empfinden zu k&ouml;nnen, kann ich meine Aufmerksamkeit nicht ausschlie&szlig;lich auf meinen K&ouml;rper richten. Ich brauche Freir&auml;ume, um den Geist erleben zu k&ouml;nnen. Ich f&uuml;ge darum den k&ouml;rperlichen Grundbed&uuml;rfnissen mein eigenes Bed&uuml;rfnis nach tagwacher Ruhezeit hinzu. Ich m&ouml;chte w&auml;hrend des Tages Freiraum haben, um meine Aufmerksamkeit auf mich selbst als seelisch-geistiges Wesen richten zu k&ouml;nnen. Um mir solchen Freiraum zu erobern, benutze ich die lenkende Macht, die mir &uuml;ber meinen K&ouml;rper verliehen worden ist, dazu, um Arbeiten zu verrichten, welche die Welt so ordnen, dass sich solcher Freiraum, auch Freizeit genannt, ergeben k&ouml;nne. Ich f&uuml;ge den naturgegebenen Arbeiten also neue Arbeiten hinzu, welche ohne meine seelisch-geistige Gegenwart nicht n&ouml;tig w&auml;ren. Man kann diese Art von Bet&auml;tigungen als kulturelles und zivilisatorisches Arbeiten zusammenfassen. Ich empfinde die Notwendigkeit solcher kultureller und zivilisatorischer Arbeiten ebenso als eine Notwendigkeit wie jene Arbeiten, die mir von der Natur auferlegt werden. Der Drang kommt nur von der entgegengesetzten Seite an mich als Seele heran. In beiden F&auml;llen ist es der Geist, der mich lenkt. Am K&ouml;rper erlebe ich den manifesten Geist, der eine nat&uuml;rliche Form angenommen hat. Aber ich erlebe den Geist auch direkt, ohne Umweg &uuml;ber den K&ouml;rper, weil ich als Seele selbst aus ihm geboren bin.&nbsp;<br /><span></span>Als Mensch kann ich niemals jene Harmonie erreichen, welche ich in der restlichen Natur beobachte, weil ich selbst als Seele etwas in die Natur hineinbringe, was von der Natur mehr verlangt, als sie geben kann. Ich bin selbst der Zerst&ouml;rer des nat&uuml;rlichen Gleichgewichtes. Erm&uuml;dung, Krankheit und Tod sind die Folgen meines naturwidrigen Willens, der mir vom noch nicht manifesten Geist gegeben wird.&nbsp;<br /><span></span>Ich werde als Seele, durch meine Anbindung an einen einzelnen nat&uuml;rlichen K&ouml;rper, einen menschlichen Gattungsleib, zun&auml;chst darauf aufmerksam gemacht, dass der Geist mich als Einzelwesen will. Ich erwache an dem nat&uuml;rliche K&ouml;rper zum Individuum. Doch kann mir dieser K&ouml;rper nicht gen&uuml;gen, um zu sein, was ich sein will. Ich kann mein Ich nicht im K&ouml;rper finden. Der Wille zu einem anderen Ich-Sein str&ouml;mt mir vom Geist entgegen, jedoch in einer Weise, die mich nicht zwingt. W&auml;hrend der K&ouml;rper mich als Seele zwingt, dieser bestimmte Einzelmensch zu sein, kommt mir vom Geist die Botschaft entgegen, ich d&uuml;rfe selbst frei mein geistiges Wesen erschaffen. Doch wer k&ouml;nnte jemals der Sch&ouml;pfer sein von etwas, das es noch nicht gibt? Wie kann ich mich selbst als Ich sch&ouml;pfen , wenn es mich noch gar nicht als geistiges Wesen gibt? Wo ist die Basis f&uuml;r diese Sch&ouml;pfung?<br /><span></span>Meine Basis ist mein Leben als Erdenmensch. Auf dieser Basis kann ich Neues sch&ouml;pfen. Doch st&uuml;nde ich vollkommen orientierungslos in dieser Welt, wenn ich kein Vorbild h&auml;tte! Wie soll denn ein solches voll ausgebildetes, neues menschliche Ich aussehen? Wie w&uuml;rde sich ein solches Ich in dieser nat&uuml;rlichen Welt manifestieren?<br /><span></span>W&auml;hrend ich mir diese Fragen stelle, entwickelt sich ein neuer Teil meiner Seele: die Gem&uuml;ts- und Verstandesseele. Ich beginne als Seele an einer geistigen Arbeit teilzuhaben, die man Denken nennt. Ich denke noch nicht selbst, ab ich nehme am Denken teil. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf den Inhalt des Denkens, ohne mir noch bewusst zu sein, was ich tue, wenn ich mitdenke. Das Denken selbst bleibt mir ein Geheimnis, aber der Inhalt des Denkens wird mir zum Teil meines Wesens.&nbsp;<br /><span></span>Eben durch diese Erweiterung meines Seelenlebens wird es m&ouml;glich, dass der Geist sich auch in meinem Denken offenbare. Und zu meiner frohen &Uuml;berraschung darf ich hierbei irgendwann erfahren, dass bereits ein Mensch das von mir angestrebte Ziel erreicht habe!&nbsp;<br /><span></span>In dem ich die Anthroposophie studiere bemerke ich: hier spricht ein voll ausgereiftes, freies menschliches Ich zu mir.&nbsp;<br /><span></span>Das bisher unbekannte Ziel hat also eine Form angenommen. Ich kann mich an diesem Ziel orientieren und trotzdem frei sein. Ich orientiere mich, in dem ich die Anthroposophie in mein Verstandesleben aufnehme. Und ich bin frei, indem es mir erlaubt wird, meine Seele noch einmal zu erweitern. Das voll ausgebildete Ich sagt zu mir: du darfst Bewusstseinsseele werden, wenn du lernst, selbst zu denken!<br /><span></span>Jene Arbeit also, die bisher von der geistigen Welt an mich herankam, die soll ich jetzt selbst tun, und dadurch erst zu einem geistigen Selbst werden.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Wenn ich arbeite, kann mich also in jedem Moment fragen: Wer ist der Arbeiter? Ist es der nat&uuml;rliche K&ouml;rper? Ist es die Empfindungsseele? Ist es die Verstandesseele? Ist es der Geist? Oder bin ich es gar selbst, als Bewusstseinsseele?<br /><span></span><br /><br /><span></span>Im heutigen Normalzustand bin der Arbeiter nie ich selbst. Der K&ouml;rper ist immer der Arbeitende, es ver&auml;ndert sich nur das Verh&auml;ltnis zwischen Seele und K&ouml;rper. Man kann die verschiedenen Arbeitsformen daran unterscheiden, wie stark die Seele ihre Aufmerksamkeit auf die T&auml;tigkeit des K&ouml;rpers richten muss, w&auml;hrend dieser arbeitet. Bei T&auml;tigkeiten, die sich regelm&auml;&szlig;ig wiederholen, bei sogenannter Routine, kann die Seele unaufmerksamer sein als bei T&auml;tigkeiten, bei denen sich jedesmal neue Bedingungen ergeben. Je mehr die Seele mitf&uuml;hlen und mitdenken muss, also desto schwieriger gilt eine Arbeit.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Ob eine Arbeit als anstrengend gilt, hat mit ihrer Schwierigkeit nichts direkt zu tun. Es kann eine Arbeit sehr einfach sein und trotzdem als sehr anstrengend gelten, und es kann eine Arbeit sehr kompliziert sein, und trotzdem w&uuml;rde niemand darauf kommen, sich &uuml;ber die n&ouml;tige Anstrengung zu beklagen.<br /><span></span><br /><br /><span></span>Bei der Beurteilung verschiedener Arbeiten kommt es ganz stark darauf an, ob ein Mensch vor allem Empfindungsseele ist oder ob er bereits die Verstandesseele entwickelt hat.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Bei Menschen, die vorwiegend Empfindungsseele sind, die also nicht gerne Nachdenken, gilt eine Arbeit in 2 F&auml;llen als anstrengend: erstens wenn der K&ouml;rper sich so sehr erm&uuml;det, dass die Empfindungsseele gezwungen wird, ihre Aufmerksamkeit st&auml;rker auf der K&ouml;rper zu richten als im Ruhezustand; zweitens, wenn die T&auml;tigkeit es verlangt, die Verstandesseele zu aktivieren. Gegen letzteres wehrt man sich mit allen Mitteln.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Bei Menschen, die bereits eine hoch entwickelte Verstandesseele sind, bei sogenannten Intellektuellen, &auml;ndert sich das Urteil fundamental. Bet&auml;tigungen, bei denen die Verstandesseele aktiviert wird, gelten als angenehm, selbst wenn der K&ouml;rper (in diesem Falle das Gehirn) dabei erm&uuml;det wird. Die Erm&uuml;dung nimmt man gerne hin, weil man sich am Nachdenken erfreut. Andererseits sind k&ouml;rperliche Arbeiten, welche die Aufmerksamkeit der Seele in einer Weise verlangen, dass die Seele &uuml;ber nichts anderes nachdenken kann, w&auml;hrend gearbeitet wird, sehr unbeliebt und man empfindet sie als nahezu beleidigend anstrengend. Man &uuml;berl&auml;sst solche Arbeiten darum m&ouml;glichst immer jenen, die sowieso nicht gerne intellektuell Nachdenken. Hingegen sind routinehafte Arbeiten, bei denen man nicht &uuml;ber die Arbeit selbst nachdenken muss, bei Intellektuellen unter Umst&auml;nden sehr beliebt, weil sie w&auml;hrend der Arbeit mit ihren Gedanken ganz woanders schweben k&ouml;nnen und sich vom Erdenleben losgel&ouml;st f&uuml;hlen.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Es sei hier besonders zu bedenken, dass heutzutage gewisse Formen mechanischen Nachdenkens auch ohne sonderliche Beanspruchung der Verstandesseele praktiziert werden kann. Der heutige Mensch kann wie ein Automat denken. Viele Arbeiten, bei der scheinbar Denken involviert ist, geschehen also ganz automatisch, wie rein k&ouml;rperliche Funktionen, ohne dass sich die Verstandesseele anstrengen m&uuml;sse. Diese Form des Arbeitens ist in der heutigen Zeit die meistverbreitete. Sie ist nicht nur in der B&uuml;rokratie zu Hause, sondern zieht sich weit hinein in Bildung und Kultur. Es darf einen nicht wundern, wenn diese Form von Gehirn-Arbeit genauso von Maschinen ersetzt werden kann wie bereits in gro&szlig;em Ma&szlig;e die Muskel-Arbeit.&nbsp;<br /><span></span><br /><br /><span></span>Was nicht durch Maschinen ersetzt werden kann, ist die seelische Aufmerksamkeit, wodurch das entsteht, was man Bewusstsein nennt. Unbewusste Intelligenzarbeit kann von Maschinen ersetzt werden, weil es hierbei nur auf das Resultat der Arbeit ankommt. Das Resultat selbst ist aber vollkommen uninteressant, wenn kein bewusstes Lebewesen gegenw&auml;rtig ist. Allein die Gegenw&auml;rtigkeit bewusster Lebewesen gibt dieser Welt Sinn. Und der Sinn r&uuml;hrt letztendlich von nichts anderem, als dass ein solches bewusstes Lebewesen soweit gelangen k&ouml;nne, selbst zu denken, und somit beginne, geistig wirklich zu werden. Jeglicher anderer Gebrauch der Sch&ouml;pfung ist zwar m&ouml;glich, aber sinnlos.<br /><span></span></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[der gesunde menschenverstand]]></title><link><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/der-gesunde-menschenverstand]]></link><comments><![CDATA[https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/der-gesunde-menschenverstand#comments]]></comments><pubDate>Sun, 03 Jan 2021 08:00:00 GMT</pubDate><category><![CDATA[Uncategorized]]></category><guid isPermaLink="false">https://www.anthroposophy.de/anthroposophie/der-gesunde-menschenverstand</guid><description><![CDATA[Es sollte einen nicht wundern, dass, nachdem die gesamte vorangegangene griechisch-r&ouml;mische Kulturperiode darauf ausgerichtet gewesen war, die Gem&uuml;ts- und Verstandesseele zu entwickeln, es jetzt von zentraler Wichtigkeit ist, einen gesunden Menschenverstand zu haben, um erstens in Harmonie mit der bestehenden Welt leben zu k&ouml;nnen und um zweitens den neuen seelischen Aufgaben gewachsen zu sein, die sich dem Menschen im Zeitalter der Bewusstseinsseelenentwicklung stellen.&nbsp;Ob nu [...] ]]></description><content:encoded><![CDATA[<div class="paragraph">Es sollte einen nicht wundern, dass, nachdem die gesamte vorangegangene griechisch-r&ouml;mische Kulturperiode darauf ausgerichtet gewesen war, die Gem&uuml;ts- und Verstandesseele zu entwickeln, es jetzt von zentraler Wichtigkeit ist, einen gesunden Menschenverstand zu haben, um erstens in Harmonie mit der bestehenden Welt leben zu k&ouml;nnen und um zweitens den neuen seelischen Aufgaben gewachsen zu sein, die sich dem Menschen im Zeitalter der Bewusstseinsseelenentwicklung stellen.&nbsp;<br /><br />Ob nun ein Menschenverstand gesund oder ungesund ist, h&auml;ngt zwar auch von vielen Faktoren ab, die au&szlig;erhalb des Menschenverstandes anzuordnen sind, doch das zentrale Problem ist, dass sich der Menschenverstand selbst in die Quere kommt.&nbsp;<br /><br />Wie konnte das geschehen?<br /><br />Dass der Menschenverstand sich selbst feindlich gegen&uuml;berstehe, ist erst m&ouml;glich geworden durch das Christentum. Es gibt n&auml;mlich aufgrund des Mysterium von Golgatha zwei verschiedene Formen des menschlichen Verstandes, wobei die erste, &auml;ltere Form das Christus-Ereignis noch nicht in ihr Denken integrieren kann, w&auml;hrend die zweite, neuere Form des Verstandesdenkens bereits daran arbeitet, die Gegenwart Christi auf Erden in ihrem Denken zu ber&uuml;cksichtigen.&nbsp;<br /><br />In das Gem&uuml;t, also in die grundlegende Seelenverfassung, die mit dem Leben als verstandesbegabtes Wesen verbunden ist, ist das Christus-Ereignis zwar bereits weitreichend als eine Tatsache eingedrungen, die man gef&uuml;hlsm&auml;&szlig;ig erfasst, doch im Verstandesleben selbst ist noch viel Arbeit zu leisten. Solange diese Arbeit nicht gen&uuml;gend getan ist, gibt es zwei Formen des Menschenverstandes, die sich gegen&uuml;berstehen. Durch diese Zwigespaltenheit des Verstandes kann erst jener ungesunde Menschenverstand entstehen, der f&uuml;r die heutige Welt typisch ist.&nbsp;<br /><br />Auch in &auml;lteren Zeiten hat es Bedingungen gegeben, die die Harmonie des Menschen mit seiner Welt st&ouml;ren konnten, doch niemals war diese St&ouml;rung zum Rang einer Normalit&auml;t aufgestiegen. Man muss heutzutage bei einem Menschen mit ungesundem Menschenverstand n&auml;mlich durchaus von einem normalen Menschen sprechen, w&auml;hrend ein gesunder Menschenverstand hingegen meistens davon zeugt, dass ein Mensch noch nicht ganz auf der H&ouml;he seiner Zeit angekommen ist, und nur in seltenen Einzelf&auml;llen, dass er sich bereits der n&auml;chsten Entwicklungsstufe ann&auml;here.<br /><br />Der gesunde Menschenverstand ist demnach das Band zwischen der alten und der neuen Harmonie zur Welt, und dazwischen steht als aktuelle Normalit&auml;t der ungesunde Menschenverstand, den man ebensogut Wahnsinn oder Irrsinn nennen k&ouml;nnte.&nbsp; Niemand darf darum &uuml;berrascht sein, den Wahnsinn und Irrsinn &uuml;berall als Normalit&auml;t anzutreffen. Nur weil neuere und &auml;ltere Lebensformen gleichzeitig existieren, gibt es hinzu auch den gesunden Menschenverstand. Mit vollem Recht bezeichnet sich darum der ungesunde Menschenverstand als Normalit&auml;t, und empfindet den gesunden Menschenverstand, egal von welcher Seite er kommt, aus der Vergangenheit oder aus der Zukunft, als Bedrohung seines gewohnten Lebensgef&uuml;hles.<br /><br />So wie die Menschenseele seit dem 15. Jahrhundert mittels des nat&uuml;rlichen Leibes in die Welt hineingestellt wird, hat sie zun&auml;chst keine andere Wahl, als das vorgefundene Verh&auml;ltnis zwischen ihrem Leib und der Umwelt als die einzig m&ouml;gliche Welt vorzustellen. Da der heutige Mensch sich allein seiner leiblichen Sinne bedienen kann, ist sein naturgegebenes Verh&auml;ltnis zur Welt das einzige ihm bekannte und ein gesunder Verstand kann zun&auml;chst ausschlie&szlig;lich &uuml;ber dieses Verh&auml;ltnis nachdenken. Alle Begriffe, die sich aus diesem rein nat&uuml;rlichen Verh&auml;ltnis ergeben, sind dem gesunden Menschenverstand zuzuordnen. Gesund ist diese Art von Verstand deshalb, weil sie die gegebene Harmonie zwischen Leib und Umwelt nicht st&ouml;rend beeinflusst. Sie f&uuml;gt dem gegebenen Verh&auml;ltnis nichts hinzu, was in diesem Verh&auml;ltnis nicht schon bereits enthalten w&auml;re. Aus der bewussten Empfindung dieses gesunden Zustandes entsteht im Gem&uuml;t der Menschenseele eine Tendenz zum Konservatismus. Die Seele bemerkt, dass das Gegebene ihr leibliches Wohlbefinden st&auml;rkt und erh&auml;lt.&nbsp;<br /><br />Ein wichtiger Teilbereich der konservativen Seelenhaltung ist die Religion. Ohne das Vorhandensein von Religion k&ouml;nnte die Seele in einem rein nat&uuml;rlichen Verh&auml;ltnis zur Welt nicht zur Ruhe kommen, weil der nat&uuml;rliche Leib nicht unsterblich ist. Das nat&uuml;rliche Leben hat einen Beginn und einen Ende, aber die Seele kann sich nicht als ein Wesen mit einem Ende vorstellen, ohne dadurch in Beunruhigung zu geraten. Durch die Religion erscheint in ihrem gew&ouml;hnlichen Sinnesleben ein Wahrnehmungsbereich, der diese Sorgen der Seele beruhigen kann. &Uuml;ber das Christentum wird von einer solchen konservativen Seele nicht anders nachgedacht als &uuml;ber alle anderen sinnlich gegebenen Wahrnehmungen. Damit dies geschehen konnte, hat der Christus einmal sinnlich wahrnehmbar als Jesus erscheinen m&uuml;ssen. Andere Religionen st&uuml;tzen sich ebenso auf das Wahrnehmbare.&nbsp;<br /><br />Der besondere Anspruch an den Verstand entsteht beim Christentum dadurch, dass Jesus Christus als Einheit von nat&uuml;rlichem Mensch und &uuml;bersinnlichem Gott verstanden werden will. Jesus Christus weisst nicht nur auf eine h&ouml;here Wirklichkeit hin, die jenseits von Geburt und Tod anzusiedeln ist, sondern er ist jene Wirklichkeit als Person. Der Menschenverstand wird also durch das Christentum dazu herausgefordert, &uuml;ber dieses intime Verh&auml;ltnis zwischen Mensch und Gott nachzudenken. In anderen Religionen kann der Gl&auml;ubige seinen Gott problemlos au&szlig;erhalb seines Selbst lokalisieren. Der christliche Gl&auml;ubige kann dies nicht ohne weiteres tun, weil die Evangelien darauf hindeuten, dass die Einheit von Mensch und Gott, die sich in Jesus Christus geschichtlich einmal wahrnehmbar gezeigt hat, durchaus als Vorbild f&uuml;r alle Menschen gemeint war. Der Christ darf also durchaus auf ein intimes Verh&auml;ltnis zu seinem Gott hoffen, das sich nicht nur auf seine Seele beschr&auml;nkt, sondern auch seinen Leib erfassen kann. Dadurch entsteht f&uuml;r den christlichen Verstand die Frage: wo ist mein Gott, wenn ich mich mit ihm verbinden darf? Wie soll ich ihn anreden, wenn er mir so nahe kommt, dass ich mich mit ihm vereinen kann? Jesus Christus hat darauf selbst die Antwort gegeben: Ich bin der Ich bin. Es muss der christliche Verstand also soweit kommen, einzusehen, dass er als wahrer Christ seinen Gott als sein eigenes Ich anreden muss.&nbsp;<br /><br />Die gro&szlig;e Gefahr, die daraus entstehen kann, ist offensichtlich: der Mensch kann dem Irrtum verfallen, das gew&ouml;hnliche Ich-Bewusstsein, das durch das Leben im Leib entsteht, sei bereits das g&ouml;ttliche Ich. Er w&uuml;rde dann im gew&ouml;hnlichen Bewusstsein versucht sein zu sagen: Ich bin Gott. Durch den vorigen Zustand bedingt, tut er das allerdings eher selten. Dieser Gedanke bleibt meist ihm Unterbewusstsein, zeigt dort aber trotzdem seine starke Wirkung. Aus dem gew&ouml;hnlichen Ich-Bewusstsein heraus zu denken: Ich bin Gott - ist nicht anders ist als zu denken: Es gibt keinen Gott, es gibt nichts H&ouml;heres als diese Wirklichkeit, die sich mir mittels meiner physischen Sinne darbietet. Durch eine solche Vorstellungsart ger&auml;t der Mensch jedoch in den Machtbereich der Angst, denn er kennt ja weder den Ursprung dieser einzig ihm bekannten Wirklichkeit, noch ist er f&auml;hig, sich als Wesen innerhalb dieser Wirklichkeit auf Dauer zu erhalten. Durch den Einfluss dieser alles durchdringenden Angst verliert der menschliche Verstand in steigendem Ma&szlig;e seine Gesundheit. Das Denken des Menschen wird immer weniger geeignet, sein Wohlbefinden aufrecht zu erhalten, es wird eben ungesund.&nbsp;<br /><br />Der menschliche Verstand f&uuml;gt durch dieses ungesunde Denken der gegebenen Wirklichkeit Begriffe hinzu, denen keine Wahrnehmungen entsprechen. Der so ausgerichtete Mensch f&uuml;hlt sich gezwungen, in die Wirklichkeit Begriffe hineinzudenken, die dort gar nicht vorhanden sind, wie z.B die Materie selbst, die dem Materialist ja als sicherster Garant seiner Vorstellungswelt dienen sollte. Dabei glaubt er jedoch, genau das Gegenteil zu tun. Er glaubt, naturwissenschaftlich zu denken und sich nur streng an die Tatsachen zu halten, die er mittels seiner Sinne erfahren kann. Er ist dabei ganz besonders stolz darauf, die alten religi&ouml;sen Vorstellungen ganz von sich zu weisen. Durch diese Vorgehensweise gew&ouml;hnt sich sein Verstand daran, in immer mehr Bereichen wirklichkeitsfremd zu denken, was dazu f&uuml;hrt, dass die ehemalige Harmonie zwischen dem Mensch und seiner Umwelt immer mehr gest&ouml;rt wird. Obwohl sein Gem&uuml;t w&auml;hrend dieser Entwicklung immer kr&auml;nker und kr&auml;nker wird, will er von den alten Vorstellungen des gesunden Menschenverstandes nichts mehr h&ouml;ren. Sie gelten ihm entweder als Kinderkram oder als von machthungrigen Menschen in die Welt gesetzte L&uuml;gen.&nbsp;<br /><br />Wie aber ist der menschliche Verstand in diese au&szlig;ergew&ouml;hnliche Lage gekommen, sich selbst aus der Wirklichkeit heraus zu treiben?<br /><br />Das konnte nur dadurch geschehen, weil der gew&ouml;hnliche gesunde menschliche Verstand &uuml;berraschend mit der Tatsache des Christus-Ereignisses konfrontiert wurde, ohne darauf vorbereitet zu sein. Gerade der aus der vorigen Kulturepoche mitgebrachte gesunde Menschenverstand konnte n&auml;mlich am allerwenigsten mit dem Christus-Ereignis umgehen.&nbsp;<br /><br />Die konservative Seelenhaltung ist darauf aufgebaut, dem Gegebenen nichts Eigenes hinzu zu f&uuml;gen, weil man sein eigenes Wesen gar nicht in sich selbst lokalisiert, sondern sich selbst nur als Teil eines Ganzen verstehen kann. Diese Haltung war allerdings wahr und darum heilbringend bis zum Mysterium von Golgatha. Nun aber verband sich jenes innerste Wesen des Menschen mit dem gew&ouml;hnlichen Bewusstsein, in dem es als nat&uuml;rlicher Mensch auf der Erde wandelte und den nat&uuml;rlichen Leib mittels Tod und Auferstehung vergeistigte. Was der gesunde Menschenverstand bis dahin im vor- und nachgeburtlichen Leben lokalisieren konnte, wurde potenzieller Teil seiner gegenw&auml;rtigen Wirklichkeit. Wer das Christus-Ereignis wirklich verstehen wollte, der musste vor sich selbst zugeben, dass der Sch&ouml;pfer der Welt ab jetzt nur noch als Ich-Erlebnis auf der Erde gefunden werden konnte. Dieser Gedanke widersprach jedoch diametral allem, was jemals zuvor als gut und wahr gegolten hatte, und wurde darum besonders von allen frommen und gottesf&uuml;rchtigen menschlichen Seelen ins Unterbewusstsein gedr&auml;ngt.&nbsp;<br /><br />Um die Entwicklung des Christentum zu verstehen, muss man darum seine Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die letzte Konsequenz des Christus-Ereignisses eigentlich vom gesunden Menschenverstand mit nur ganz wenigen gedanklichen Schritten relativ leicht einzusehen ist, und gerade deshalb ins tiefste Unterbewusstsein hinuntergesto&szlig;en wurde. Der gesunde Menschenverstand, der vom Evangelium berichtet bekommt, versteht zun&auml;chst sofort, worum es geht: Der Sch&ouml;pfer hat sich mit seiner Sch&ouml;pfung verbunden, ich aber bin diese Sch&ouml;pfung, darum ist mein Ich jetzt identisch mit dem Ich des Sch&ouml;pfers.&nbsp;<br />Sein gesundes Verh&auml;ltnis zur Wirklichkeit l&auml;sst ihn aber gleich im n&auml;chsten Moment ebenso erkennen: Es ist unm&ouml;glich, dass ich der Sch&ouml;pfer dieser Welt und meiner selbst bin, weil ich weder mich selbst noch die Welt verstehe.&nbsp;<br />W&uuml;rde sich der gesunde Menschenverstand trauen, an diesem Punkt weiterzudenken, dann m&uuml;sste er zu dem Schluss kommen: Was mich als dieser Einzelmensch vom Sch&ouml;pfer der Welt und somit von meinem wahren Selbst unterscheidet, ist der Mangel an Wissen. Ich kann nur deshalb nicht in wahrem Sinne &ldquo;Ich bin&rdquo; sagen, weil ich mir der heilige Geist fehlt, also das vollst&auml;ndige Wissen vom Menschen und seiner Welt.&nbsp;<br /><br />Diese beiden gesunden Gedankeng&auml;nge, die Erkenntnis der eigenen G&ouml;ttlichkeit und die Erkenntnis des eigenen Mangels, k&ouml;nnten theoretisch direkt aufeinander folgen, liegen aber in der Praxis weit auseinander. Was sich dazwischen dr&auml;ngt, sind zwei prinzipielle Irrt&uuml;mer. Der erste Irrtum ist jener des konfessionellen Christen, welcher das Christus-Ereignis einfach als einmalige historische Erscheinung in sein gew&ouml;hnliches Vorstellungsleben einbaut, ohne dabei einen fundamentalen Gem&uuml;tswandel durchzumachen. Der zweite Irrtum ist jener des Atheisten, in dessen Gem&uuml;t der Christus-Impuls paradoxerweise nicht selten st&auml;rker wirkt als im konfessionellen Christen, der aber aufgrund seines eigenen Wissensmangel den Schluss zieht, es k&ouml;nne keinen sch&ouml;pferischen Geist geben und der damit auch den Christus verleugnet, also jenes Geistwesen, ohne dessen rettenden Eingriff in die Welt er selbst niemals ein Atheist h&auml;tte werden k&ouml;nnen.&nbsp;<br /><br />Der konfessionelle Christ bleibt im Gem&uuml;t vorchristlich, der Atheist verliert sich in unendlichen intellektuellen Widerspr&uuml;chen. Dadurch dass der konfessionelle Christ den Christus auf vorchristliche Weise anbetet, bleibt ihm der altbew&auml;hrte gesunde Menschenverstand aber in hohem Grade erhalten. Das Christentum kann er hingegen nur mit dem Gef&uuml;hl erfassen. Dort stellt sich ihm sein naiver Verstand, der sich nur auf die gew&ouml;hnliche Sinnenwelt st&uuml;tzen will, als Hindernis entgegen. Der Atheist hingegen erlebt den Christus-Impuls als unterbewussten Gem&uuml;tswandel und wendet sich gerade deshalb vom konfessionellen Christentum und von allem geistigen Wissen ab. Sein kritischer Verstand wird ungesund und wirklichkeitsfremd. Gerade dadurch schafft sich der Atheist aber die Basis daf&uuml;r, um sp&auml;ter mit Hilfe seiner abstrakten Verstandesbegriffe auf ganz neue Art in die geistige Welt eindringen zu k&ouml;nnen. Letzteres w&auml;re hingegen nicht m&ouml;glich nur mit Hilfe jener Verstandeskr&auml;fte, die dem Menschen durch ein gesundes Verh&auml;ltnis zur Natur gegeben werden. Gerade das Wirklichkeitsfremde seiner Gedanken schafft ihm den n&ouml;tigen Freiraum f&uuml;r ein ganz neues Verh&auml;ltnis zur geistigen Welt. Zu einer Wiedereroberung des gesunden Menschenverstandes auf h&ouml;herer Ebene kann der Atheist letztendlich aber nur dadurch gelangen, dass der heilige Geist ihm hilfreich entgegen kommt, indem er innerhalb der gew&ouml;hnlichen Sinnenwelt als Anthroposophie erschienen ist. Ohne die Hilfe der Anthroposophie endet der ungesund gewordene Menschenverstand in einer Sackgasse.&nbsp;<br /><br />Ein kontinuierlicher &Uuml;bergang vom alten gesunden Menschenverstand zur Anthroposophie w&auml;re theoretisch nur dann m&ouml;glich, wenn die Welt ganz frei von L&uuml;gen w&auml;re. Doch die L&uuml;gen gibt es ja aus einem guten Grund: gerade dadurch, dass der Mensch sich tempor&auml;r vom gesunden Menschenverstand entfernt, kann er sein Ich-Bewusstsein stark genug entwickeln, um &uuml;berhaupt auf den Kernpunkt des Christentums eingehen zu k&ouml;nnen. Ohne die St&auml;rkung des Ich-Bewusstseins durch den Materialismus w&uuml;rde der Mensch nur sehr schwer von seinem Gruppenseelenleben loskommen k&ouml;nnen. Damit soll aber nicht gesagt sein, das letzteres ganz unm&ouml;glich w&auml;re. Indem man also die Macht der L&uuml;ge in der Welt abd&auml;mpft, verringert man den Abstand zwischen den zwei Formen des gesunden Menschenverstandes, also zwischen dem alten gesunden Verh&auml;ltnis zur Natur und dem neuen gesunden Verh&auml;ltnis zum heiligen Geist. Dadurch werden die Irrwege, die dazwischen liegen m&uuml;ssen, weniger gef&auml;hrlich. Da es sowieso unm&ouml;glich ist, die L&uuml;ge ganz aus der Welt zu verdr&auml;ngen, kann man also durchaus in dieser Richtung arbeiten, ohne sich gleich Sorgen machen zu m&uuml;ssen, den Irrtum als n&ouml;tigen Erzieher zu verlieren. Irrt&uuml;mer geschehen trotzdem noch gen&uuml;gend, auch wenn die Macht der L&uuml;ge eingeschr&auml;nkt wird. Die L&uuml;ge ist schlie&szlig;lich nicht das einzige Hindernis, dass sich dem Verstand in den Weg legt.&nbsp;<br /><br />Nachdem wir uns also bewusst gemacht haben, dass der ungesunde Menschenverstand durchaus normal ist, k&ouml;nnen wir jetzt daran gehen, uns zu &uuml;berlegen, wie man mit dieser Normalit&auml;t am Besten umgehen k&ouml;nne. Der ungesunde Zustand ist zwar normal, aber ist da, um geheilt zu werden. Solange das normale Bewusstsein des Menschen das gegenst&auml;ndliche, wache Tagesbewusstsein ist, kann es letztendlich bei der Heilung des ungesunden Menschenverstandes nur darum gehen, den Mensch in die Gegenwart zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Dieser Zustand &auml;hnelt dem Zustand, in dem er vor dem Krankwerden gestanden war, als er noch den naiven gesunden Menschenverstand besa&szlig;. Damit man aber von einem Fortschritt sprechen darf, muss in dieser Gegenwart jetzt auch er selbst als Ich vorhanden sein. Das Ich ist aber nichts anderes als eben der Sch&ouml;pfer alles Gegenw&auml;rtigen. In sich selbst als Einzelmensch muss er also den Sch&ouml;pfer alles Gegenw&auml;rtigen finden. Dabei wird ihm allerdings bewusst, wie wenig er als Einzelmensch bisher diesem Kriterium entspricht. Er kann verstehen lernen, dass er als Einzelmensch vielmehr die Organisation liefert, in der ein Ich leben kann, ohne dass er bereits das Ich selbst w&auml;re. Der neu zu erobernde, gesunde Menschenverstand kann also nur darin bestehen, sich selbst als Ich-Organisation innerhalb der gegebenen Natur erleben zu k&ouml;nnen. Man steht selbst als Ich-Organisation inmitten des Gegebenen und ist sich als solche Ich-Organisation bewusst, dass der Ursprung alles Gegebenen als Ich in der Ich-Organisation, die man selbst ist, lebt. Der gesunde Menschenverstand kann diese Situation begreifen, ohne sich in Widerspr&uuml;chlichkeiten zu verwickeln. Seine Aufgabe als gesunder Mensch besteht darin, die Ich-Organisation so zu erhalten, damit sich die Vereinigung des Christus mit ihm als Einzelmensch vollziehen k&ouml;nne. W&auml;hrend dieses Vorganges steht die Seele zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite ist die Seele selbst Produkt des Gegebenen, auf der anderen Seite entdeckt sie als ihr ureigenstes Wesen den Sch&ouml;pfer alles Gegebenen. Gesund kann ein Menschenverstand unter diesen Umst&auml;nden nur bleiben, wenn er beginnt, die Sch&ouml;pfung zu verstehen. Nur durch den heiligen Geist kann er zu dem werden, was sein ureigenstes Wesen ist. Die Seele als Ganze wandelt sich auf diesem Weg also vom Gesch&ouml;pf zum Sch&ouml;pfer. Der allererste Zustand der Kreat&uuml;rlichkeit kann darum so, wie man ihn als naiver Mensch mit seinem nat&uuml;rlich gegebenen gesunden Menschenverstand erlebt, nicht ewig erhalten bleiben. Es durchaus n&ouml;tig, dass dieser Zustand sterbe. Der Mensch muss sich freiwillig dazu durchringen k&ouml;nnen, diesen allerersten Zustand aufzugeben. Die Seele kann dieses Sterben als Kreatur vollbringen, indem sie sich mit dem Christus vereint, der selbst der Ursprung aller Kreat&uuml;rlichkeit ist. Diese Vereinigung kann aber nur wahr werden durch den heiligen Geist. Mit Hilfe des heiligen Geistes wird der Mensch zum Ich, und somit zum freien Sch&ouml;pfer seiner eigenen Kreat&uuml;rlichkeit.&nbsp;<br /><br />Dabei darf man nicht aus dem Auge verlieren, dass derselbe Vorgang vielfach voranschreitet, weil der Christus sich mit allen Menschen vereinen will. Im nat&uuml;rlichen Umfelde kann man also erwarten, auf die verschiedensten Grade dieser Entwicklung zu sto&szlig;en. Das beinhaltet, dass auch der h&ouml;chste Grad bereits von einem Mensch erreicht worden sein k&ouml;nnte.&nbsp;<br />Wenn wir nun in Betracht zieht, dass im Grunde alles, was wir durch der Anthroposophie wissen, von Rudolf Steiner stammt, dann ist es der Gedanke, bei Rudolf Steiner diese sch&ouml;pferische Gegenwart bereits verwirklichte Tatsache anzunehmen, gar nicht so fern.&nbsp;<br /><br />W&auml;re nun ein Mensch wie Rudolf Steiner bereits zum Status eines Sch&ouml;pfers seiner eigenen Kreat&uuml;rlichkeit aufgestiegen ist, m&uuml;sste sich der gesunde Menschenverstand unweigerlich fragen: Wie weit reicht diese Kreat&uuml;rlichkeit? Ist das Wesen eines Ich-Menschen weiterhin innerhalb der Haut des nat&uuml;rlichen Leibes eingeschlossen, oder ist es vielmehr identisch mit der gesamten Welt?<br /><br />Aus der Anthroposophie k&ouml;nnen wir entnehmen, das beides g&uuml;ltig ist. Der vollendete Ich-Mensch ist aus freier Entscheidung ein Mensch wie alle anderen, doch sein Wesen ist identisch mit der gesamten Sch&ouml;pfung. Es st&uuml;nde also da tats&auml;chlich ein Mensch vor uns, der als Einzelmensch der Sch&ouml;pfer desselben Ganzen ist, dem wir auch selbst angeh&ouml;ren. Wir k&ouml;nnten also hier den Christus wieder aus uns selbst hinaus verlagern, und ihn in seiner individualisierten Form als die gegebene Welt selbst anbeten. Was uns vorher als Universum umgab, st&uuml;nde jetzt als ein Einzelmensch vor uns. Das alte naive Verh&auml;ltnis zwischen Kreatur und Sch&ouml;pfer w&auml;re dadurch auf h&ouml;herer Ebene wieder hergestellt. Allerdings h&auml;tten wir uns dadurch wieder einmal in den vorchristlichen Zustand versetzt! Es ginge also auch bei einer Begegnung mit dem individualisierten Christus darum, ihn als unser Ich zu entdecken, und nicht darum, ihn in seiner nat&uuml;rlichen Form anzubeten. Dasselbe muss in Zukunft f&uuml;r jedes Individuum gelten, das zum Ich-Menschen wird. Es geht nicht darum, jene Individuen in einem durch die Sinne gegebenen Ort aufzusuchen, sondern sie in uns selbst als unser Ich zu finden, wodurch wir erst selbst zu einem solchen Individuum werden k&ouml;nnen. Es wird dann der Mensch als Ich-Mensch keiner gegebenen nat&uuml;rlichen Welt mehr gegen&uuml;ber stehen, sondern er ist dann &nbsp;selbst Individuum in seiner eigenen Welt, welche aber keine andere Welt ist, als eben die Welt des Heiligen Geistes.&nbsp;<br /><br />Die Frage nach dem urspr&uuml;nglichen Denker dieses heiligen Geistes liegt jenseits des gesunden Menschenverstandes. Erst die Entwicklung der Bewusstseinsseele wird diese Frage wohl beantworten k&ouml;nnen. Nicht um eine absolute Wissensgrenze handelt es sich also, sondern um eine absolute Verstandesgrenze. Jenseits der Kreat&uuml;rlichkeit hat der Verstand, als Erschaffer von Wahrheiten, die Sch&ouml;pfer mit Gesch&ouml;pf verbinden, keine Aufgabe mehr.<br /><br />Der gesunde Menschenverstand, als Wahrheitsquelle, ist auf jeder Ebene der Garant f&uuml;r das korrekte Verh&auml;ltnis zwischen Kreatur und Sch&ouml;pfer.&nbsp;<br />Angesichts des Vatergottes ist der gesunde Menschenverstand in der einfachsten Lage, weil er hierbei nur auf nat&uuml;rliche Weise dasein muss, um wahr zu sein.&nbsp;<br />Angesichts des Sohnesgottes ger&auml;t er in schwerste Schwierigkeiten, weil er so wie er bisher war, sterben muss.<br />Angesichts des heiligen Geistes kann er wieder auferstehen.<br />Bei voller Erhaltung der Gesundheit k&ouml;nnen alle drei Phasen gleichzeitig gelebt werden. Die Krankheit des Verstandes entsteht nur dann, wenn er sich weigert, angesichts des Sohnesgottes zu sterben. Diese Verweigerung kann sich in jedem Moment geltend machen, bis das Werk vollbracht ist. Zum Sterbensprozess geh&ouml;rt darum auch, dass der gesunde Menschenverstand sich selbst eine oberste Grenze setzt. Er kann sich nicht in alle Ewigkeit hineinprojizieren. Er muss seinen eigenen Tod als Wirkungsgrenze akzeptieren, die er nicht &uuml;berschreiten will.&nbsp;<br /><br />Was denn w&uuml;rde es bedeuten, wenn der gesunde Menschenverstand nicht sterben wollte?<br /><br />Dann w&uuml;rde die Kreatur versuchen, die Sch&ouml;pfung von au&szlig;en zu betrachten. also sozusagen dem Sch&ouml;pfer gegen&uuml;ber eine kritische Haltung einnehmen. Damit soll nicht gesagt sein, dass eine solche Haltung absolut ausgeschlossen sei! Es muss der gesunde Menschenverstand aber einsehen, dass eine solche Haltung zun&auml;chst nicht dazu beitragen kann, einen Kosmos der Liebe zu schaffen. Was von uns verlangt wird, ist demnach zun&auml;chst diese Welt zu verstehen und ihren Sch&ouml;pfer zu lieben. Was sich daran noch ankn&uuml;pfen k&ouml;nnte, liegt jenseits unsere gesunden Menschenverstandes.</div>]]></content:encoded></item></channel></rss>